Optimistischer Blick in sportliche und private Zukunft

MariusBraunDas Leben könnte so schön sein – wenn das Schicksal einem nicht ab und an einen Strich durch die Rechnung machen würde… Der Holzgerlinger Ringerkampfsportler Marius Braun kann ein Lied davon singen. Nachdem er die Qualifikation für die EM im Mittelgewicht im Frühjahr nur knapp verpasst hatte, bereitete er sich im April mit der Nationalmannschaft auf die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im Ringen vor als sich von jetzt auf gleich alles änderte. „Ich war mit einem Freund übers Wochenende in München als ich starke Bauchschmerzen bekam“, erzählt der 26jährige und man merkt, wie er sich sein ganzer Körper bei der Erinnerung anspannt. Mit etwas Bauchweh hatte die Situation nämlich nichts zu tun, wie sich bald herausstellte. Fieber und immer stärker werdende Schmerzen machten eine Heimreise unmöglich. Stattdessen folgte eine Not-Operation in einem Münchener Krankenhaus: Diagnose Darmverdrehung inklusive Verschluss – schnelles Handeln ist hierbei gefragt, damit der Patient nicht verstirbt.

Der zerplatzte Traum

„Die Zukunft, die ich mir vorgestellt hatte, brach in kürzester Zeit völlig zusammen“, erinnert sich Marius an seine damaligen Gefühle. „Ich wachte mit Schmerzen und einer rund 25 cm großen Narbe auf und wusste sofort, dass ich meine sportlichen Ambitionen erst einmal ad acta legen musste. Die Frage war ja sogar, ob ich meinen Sport überhaupt wieder würde weitermachen können.“

Kraft und Unterstützung erhielt er von seiner Freundin und seiner Familie, die ihn immer wieder auffingen. Und das war auch weiterhin notwendig, denn fünf Tage nach der eigentlichen OP gab es Komplikationen. Innere Entzündungen machten eine erneute Operation notwendig. Insgesamt sechs Operationen in drei Monaten waren schlussendlich das Fazit des Jahres 2018 – statt der geplanten Wettkämpfe mit Medaillenhoffnung. Und was nun?

MariusBalanceKundinStatt den Kopf hängen zu lassen und sich zu verkriechen beschloss Marius Braun weiter zu machen. „Aufgeben oder Kämpfen – diese zwei Möglichkeiten standen nur zur Debatte“, erinnert er sich. „Ich studiere, arbeite nebenbei in einem Fitness-Studio und bekomme für die angetretenen Bundesliga-Ringkämpfe bei den Heilbronner Red Devils pro Kampf nach Gewichtsklasse ein Entgelt. Viel kommt da im Monat aber nicht zusammen. Meine Freundin und ich hatten gerade einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Ohne das und die Kurse im Studio war klar, dass es schwierig würde, das alles finanziell zu stemmen. Die logische Schlussfolgerung war also: Schnellstmöglich wieder fit werden.“

Bild links:Studium, Wettkämpfe und Fitness-Trainer im Balance Weil im Schönbuch prägen das gegenwärtige Leben des Ringkampfsportlers mit Wurzeln im KSV Holzgerlingen.

 

Sich wieder hoch kämpfen

14 Kilogramm hatte er während der Krankenzeit verloren – Muskeln und gerade für seinen Sport auch notwendiges Wettkampfgewicht. Muskelaufbau und Gewichtszunahme standen deshalb für ihn auch ganz oben auf der To-do-Liste. Inzwischen hat er sein Normalgewicht wieder erreicht – und trainiert sogar schon wieder: „So ein Nierengurt ist beim Mattentraining wirklich hilfreich“, grinst er und fügt ernster hinzu: „Ich muss einerseits die Narben noch schützen und außerdem habe ich gelernt, stärker auf meinen Körper zu hören – wenn es weh tut, ist halt Schluss. Man darf sich - gerade so kurz nach einer Krankheit oder einem Unfall – nicht fahrlässig überfordern.“

Eine kluge Erkenntnis, denn auch nach Aussagen der Ärzte könnte eine Überlastung erhebliche Risiken hervorrufen. Und das wäre für den Vollblutsportler nicht gut, denn Marius Braun hat schon wieder konkrete Ziele für die nahe Zukunft: „Überglücklich wäre ich, wenn ich im November in der Rückrunde bereits wieder für die Red Devils kämpfen könnte. Dann wäre 2018 sportlich nicht völlig an mir vorbei gelaufen.“

MariusSiegerposeAber es ist anders gekommen, denn Marius stand am 13. Oktober bei einem Heimkampf des Red Devils Heilbronn gegen den Ligakonkurenten SC Kleinostheim auf der Matte. Unter dem allgemeinen Jubel von 700 Besuchern bezwang der wiedergenesene Schwabe seinen Gegner mit 11:2 Punkten. Seine Mannschaft siegte mit 24:1 und konnte mit diesem Erfolg die alleinige Tabellenführung übernehmen. Nach Redaktionsschluss haben weitere Liga-Kämpfe stattgefunden, allerdings mit einer Wettkampfpause wegen der Ringer-WM.

Bild links: Marius schon wieder in Siegerpose beim ersten  Heimkampf.

Und sonst? Sein Medizintechnik-Studium ist ihm als berufliches Standbein enorm wichtig. Ein guter Abschluss und ein interessanter Arbeitsplatz würden ihm – neben seinem Sport auch die notwendige finanzielle Sicherheit für die Zukunft bieten.

Nachvollziehbar, denn so gut verdienen die meisten Ringer eben doch nicht, als dass man davon in Deutschland eine Familie ernähren könnte. Diese Überlegung steht recht weit oben auf seiner Prioritätenliste. Marius Braun: „In der Klinik in München ist mir erst so richtig bewusst geworden, wieviel mir meine Freundin bedeutet und wie sehr ich sie brauche - deshalb habe ich ihr dort noch einen Heiratsantrag gemacht…“

In den nächsten zwei Jahren wollen die beiden heiraten – und vielleicht kann der Sportler bis dahin ja auch wieder weitere sportliche Erfolge für sich verbuchen.              

Text: Katzenmaier; Bilder: Balance, Fuhr und Marion Stein


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