JOCHEN WILD - ein Vollblutfussballer im Blickpunkt von PPM-Redakteur Christian Schunke

Fußball Weil im SchoênbuchIT LogoDer neue Co-Trainer der Spvgg Weil im Schönbuch hat mit seinen 50 Jahren in Sachen Fußball mehr erlebt als andere Fans, die fast doppelt so alt sind wie er. Was auch am FC Bayern liegt, denn der bekennende und praktizierende Edelfan der Bajuwaren kennt in Deutschland mittlerweile jedes Stadion, in dem seine Bayern jemals gespielt haben. Ja, selbst europaweit sind die weißen Flecken auf der Landkarte im Lauf der Jahre immer kleiner geworden.

Ein Bayern-Fan im Ländle und das als gebürtiger Steinenbronner der vor den Toren Stuttgarts aufgewachsen ist. Jochen Wild, einer dieser Schönwetter-Fans, die immer dann auftauchen wenn ein Club erfolgreich spielt? Weit gefehlt, denn Schuld an seiner großen Liebe FCB war die Tante. Die wohnte damals in München und da die Familie einen engen Kontakt pflegte, waren die Wilds öfters in München. Um genau zu sein, alle 14 Tage. Und welch ein Zufall, immer dann, wenn die Bayern ein Heimspiel hatten war es wieder einmal so weit. Die Wilds düsten die A 8 der bayerischen Landeshauptstadt entgegen. „Meine Leute haben mir ein paar Mark in die Hand gedrückt und dann bin ich als kleiner Junge mit der Tram ins Stadion“, erinnert sich Wild. Eine win-win Situation für alle. Die Familie konnte in aller Ruhe klönen, während "Klein Jochen" seine Freude im damaligen Olympiastadion hatte.

 

JochenWild IT Version„Wenn ich noch einmal jung wäre, ich würde alles genau wieder so machen“, blickt Jochen Wild auf ein bewegtes (Fußball-) Leben zurück. Jochen Wild

„Früher hab' i selber a bissle gekickt", blickt Jochen Wild auf die eigene überschaubare Karriere zurück. Überschaubar deshalb, weil mit 22 Jahren die Sprunggelenke nicht mehr mitmachten. Von den C-Junioren beim VfL Dettenhausen, wo die Familie mittlerweile lebte, ehe es mit zwanzig den Berg hoch ging. Für zwei Jahre nach Weil im Schönbuch, ehe ihm seine Knochen die rote Karte unter die Nase hielten. „Aus beruflichen Gründen bin ich halt nicht zum Arzt gegangen“ und das hatte Folgen. Arthrose! Doch König Fußball hielt ihn weiterhin in seinem Bann und aus dem Spieler Wild wurde Trainer. Jürgen Oßwald war zu Beginn der 90iger Spielertrainer beim TV Altdorf. Über den SV Walddorf, dem VfL Dettenhausen sowie der Spvgg Weil im Schönbuch ging es zum SV Böblingen, wo er zusammen mit Ralf Schöck und Oliver Maisch die A-Junioren trainierte und betreute. Weil im Schönbuch war eine erneute Zwischenstation ehe Wild endgültig seine Position als Co-Trainer gefunden, nachdem er sich zuvor auch als Chef versucht hatte. Co-Trainer oder Chefcoach. Wo sieht Jochen Wild die Unterschiede? „Ganz wichtig, ein Co-Trainer muss gegenüber seinem Chef absolut loyal sein und das war und bin ich. Sonst wird das nichts.“

FC Bayern: Wie ein roter Faden durch sein Leben

Ein wichtiges Thema ist auch die Verantwortung, denn die bleibt beim Chef hängen. Oder? „Das sehe ich anders. Ich übernehme immer Verantwortung. Will immer gewinnen.“ Der wichtigste Punkt aus Wilds Sicht wäre aber ein anderer. „Der verantwortliche Trainer sollte oder muss sogar immer da sein, während ein Co-Trainer schon ab und an einmal fehlen darf.“ Aha. Ungewöhnlich für jemanden der eine Sache zu hundert Prozent durchzieht. Doch da wäre wieder einmal der FCB an der Reihe und wieder schließt sich der Kreis. Denn es gibt ja nicht nur die Bundesliga sondern auch die Champions League und „da wird dienstags und mittwochs gespielt“, setzt Wild ein breites Grinsen auf. Ein kostspieliges Hobby oder nicht? „Mit dem Geld das ich für den Fußball ausgegeben habe, hätte ich locker ein anständiges Häuschen bauen können.“ Die Betonung liegt dabei auf anständig. Ein Schwabe aus dem Land der Häuslebauer gibt sein Geld aus für einen bayerischen Fußballverein, anstatt sich seine eigenen vier Wände hoch zu ziehen. Muss man da nicht, wenigstens etwas, bekloppt sein? „Nicht unbedingt, doch es hilft schon“, so Wild mit einem Schmunzeln im Gesicht.

MartinOßwaldMit Martin Oßwald (Bild) - seinen heutigen Chef-Trainer in Weil - war er erfolgreich beim FC Gärtringen. Auch die Zeit beim TSV Ehningen mit Jens Uwe Zierer konnte sich sehen lassen. Ebenso die weiteren Stationen in Holzgerlingen (mit Bernd Gluiber) oder beim SV Deckenpfronn unter Michael Steger. Übrigens war Steger einst als A-Junior bei der SV Böblingen unter den Fittichen von Jochen Wild. Und nun wieder die Spvgg Weil, wo er zum zweiten Mal zusammen mit Oßwald eine Mannschaft übernommen hat. Keine Frage, dass sich die Weilemer vom Trainergespann Oßwald/Wild einiges erhoffen. Es muss ja nicht gleich die Verbandsliga sein wie mit dem FC Gärtringen. Am Schönbuchrand wäre man durchaus zufrieden, wenn man sich wieder im Oberhaus des Bezirks etablieren könnte.

 

Als Fan lebt sich's manchmal gefährlich

Was würde passieren, wenn man ihm den Fußball wegnimmt? „Eine schwierige Frage. Ich kenne es doch gar nicht anders. Allerdings hatte ich zwischen den Stationen Holzgerlingen und Deckenpfronn ein Sabbatjahr. Und da hat mir eigentlich nichts gefehlt.“ Doch hier flunkert Jochen Wild, denn da gab es ja immer noch den Rekordmeister von der Isar. Die bajuwarische Clique die einmal 45 Personen groß war. „Heute sind es acht, die den harten Kern bilden. Was gibt es da Geschichten am Rande eines Fußballspiels“, erinnert sich Wild an unzählige Fahrten mit Bahn, Bus oder Flugzeug, jede Reise war einfach geil. Da gab es Hotels die eigentlich keine waren. Oder einmal hatten wir eine Dusche die uns fast das Leben gekostet hätte, denn ein elektrisches Kabel war lose gefährlich nahe am Duschkopf angebracht.“ Überhaupt gab es da immer wieder Zwischenfälle, die dann doch nicht so geil waren. Wie zum Beispiel die Anschläge in Madrid und London, die Wild relativ hautnah miterleben musste. Doch das wird Jochen Wild nicht abhalten auf Tour zu gehen, wenn ihm der Bayern Virus wieder allzu sehr zusetzt.


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