Kontroverser Austausch von Argumenten in zwei lokalen Blättern,
die dem Handel besonders nahe stehen.

 

MaPortraitApril15Als Gewerbetreibender war ich verwundert über die „Verbraucherschelte“, die den Beratungsklau zum Inhalt hatte. Bei meinen Kontakten zu Gewerbetreibenden in Holzgerlingen und in den Nachbarorten bekam ich auch Reaktionen aus dem „Kollegenkreis“ zu spüren. Inhalte: Niemand war der Meinung, dass Finkbeiner, Breitling, Richter und Gutmann nicht Recht hätten, aber den Verbrauchern so den Spiegel vorzuhalten und pauschal deren Charakter in Sachen „Einkaufen“ in Frage zu stellen, das ginge dann schon zu weit. Als ich meinen Kommentar zum Thema geschrieben hatte, las ich kurz darauf im IHK-Magazin auf Seite 9 die Meinung eines Handelsexperten. Dieser rät davon ab, die Kunden erziehen zu wollen. Mein Kommentar endete: „Warum jammern, besser wäre es darüber nachzudenken, ob man alles selbst richtig gemacht hat. Der Preis ist beileibe nicht immer entscheidend“. In der Sache war aber wichtig, dass im PPM-Kommentar weder das Marktblatt als Quelle der „Verbraucherschelte“ genannt wurde, noch die Autoren.

Willkommene Werbung

 

Die Überraschung: Das PPMagazin bekam unverhofft eine willkommene Werbung durch einen Leserbrief im Marktblatt. Gewundert hat hier der unsachliche und emotionale Rundumschlag einer Dame aus Weil im Schönbuch, die zufällig beides, nämlich Marktblatt + PPMagazin gelesen hatte und die offensichtlich media@home und Finkbeiner-Optik gerne einen Gefallen tun wollte. Warum auch immer. Aber hier wurden jetzt auf einmal Namen genannt und unüblicherweise der Leserbrief nicht dort veröffentlicht wo er hin gehörte, sondern bei der „Konkurrenz“, der dann dort in Überlänge und geringem sachlichen Inhalt publiziert wurde.

Das Angebot der Marktblatt-Redakteurin, dem Verfasser des Kommentars Platz für einen Leserbrief im Marktblatt einzuräumen, wurde natürlich nicht angenommen. Ein Konflikt mit dem Marktblatt-Verlagschef wäre nicht auszuschließen gewesen, sollte ein PPM-Redakteur im Marktblatt zu Wort kommen. Ein Leserbrief der Marktblatt-Redakteurin im PPMagazin hätte ebenfalls Verwunderung hervorgerufen.

Auf den Kommentar im PPM sind einige mündliche und wenige schriftliche Reaktionen per Email eingegangen – dazu wurden die Leser auch aufgefordert. Warum hat die Dame aus Weil nicht an das PPMagazin geschrieben? Da mache sich jeder so seine Gedanken.

 

Jeder sage seine Meinung

 

Reisebüro KzenonAug15Vorher lag es natürlich im Ermessen jeder Firma solche Artikel im Marktblatt veröffentlichen zu lassen. Die Artikel waren dann inhaltlich auch mehr oder weniger problematisch. Der von Werner Richter war m. E. „gut“ – dennoch hätte ich diesen im Interesse von Firma Richter auch nicht veröffentlicht und die anderen so wie so nicht.

Werner Richter wollte von mir vor zirka zwei Jahren das Thema behandelt wissen. Ich habe mich davor gedrückt, weil ich die Probleme sah. Inzwischen hat er seine Werbemaßnahmen im PPM eingestellt. So etwas kann passieren, will man unabhängig bleiben.

Besonders problematisch, die „Kundenschelte“ - und nichts anderes sind die Aussagen von Frau Gutmann. So gewinnt man das Vertrauen und die Sympathie der Kunden nicht. Absolut kontraproduktiv für Frau Gutmann und den Einkaufsstandort Holzgerlingen!

 

Es gibt schon Lösungen für den Fachhandel

 

Bei jeder der vier Firmen ist die Situation natürlich anders zu bewerten. Aber noch das Beispiel von Horst Finkbeiner: Brillen und Gläser im Internet kaufen ist für den Verbraucher nach wie vor nicht ganz einfach, weil die Internet-Anbieter nicht die fachlichen Leistungen eines Optikers vor Ort erbringen können. Das wissen wir alle. Deshalb ist Horst Finkbeiner auch Partner eines Internet-Anbieters und hat das Beratungsproblem im „geregelten Zusammenwirken“ mit dem OnlineShop „Mister Spex“ im Griff (hoffe ich). Ich habe mich über die Abläufe informiert und möchte hier nicht weiter ausholen. Bin aber dazu gerne bereit, wenn jemand mehr wissen will.

Auch hier: An Stelle von Horst Finkbeiner wäre ich auf das Thema nicht eingegangen, sondern hätte still und leise „meine Geschäfte im Laden“ und in “Zusammenarbeit mit seinem Internet-Kollegen“ gemacht. Dann wäre allen geholfen gewesen.

 

Mit "Beratungsklau" auf Verbraucherschelte – der richtige Weg?

 

Nochmals Beratungsklau (klingt unter Gewerbekollegen aufs Erste gut, aber die Verbraucher haben damit offensichtlich kein Problem):

Klauen nennt man auch Diebstahl und dies ist ein Eigentumsdelikt, der polizeilich verfolgt werden kann. Es ist sehr gefährlich, die Kunden in die Nähe von solchen „Begriffen“ zu rücken, denn dann werden wir zunehmend ein Volk von Dieben, wenn die Entwicklung so weitergeht – und das tut sie. Und dazu machen uns einige „Geschäftsleute“, die sich betrogen fühlen und dies in der Presse publizieren. Zusammenhang erkennbar? Die Antworten entnehmt meinem Kommentar und den Aussagen eines Fachmannes im IHK-Magazin.

 

Es geht auch ohne Jammern

 

Ein Beispiel aus dem Bauhandwerk – ich wähle mal den Sanitärbereich - und die Küchenbranche:

Nicht selten nimmt ein Bauherr Kontakt mit bis zu vier Firmen auf um die beste und günstige Badsanierung oder Einrichtung einer neuen Küche zu bekommen.

Vier Firmen messen aus, beraten in meistens mehreren Durchgängen, erstellen Skizzen, Pläne, 3D-Darstellungen, etc. ändern, schreiben Angebote…. Aufwand eines Ingenieurs, Handwerkmeisters oder Technikers zwischen 3 und 5 Stunden bis der Auftrag erteilt wird oder auch nicht. Denn den Auftrag bekommt nur einer!!! Bei bis zu drei Firmen hat der Bauherr „Beratungsdiebstahl“ begangen. Kann jemand ausrechnen, welche Schadensummen der Bauherr verursacht, wenn die Investitionen bei den anderen Firmen nicht zum Auftrag führen? Ich hörte bisher keine Klagen vom Handwerk – obwohl auch berechtigt!

Bei Küchen ist es besonders extrem. Auch hier zieht der Online-Handel ein. Habe aber die Erfahrung gemacht, dass die beste Beratung und nicht der günstigste Online-Preis in der Regel zum Auftrag führt.

Ich hoffe mit diesen Ausführungen zur Versachlichung des Themas beizutragen und über das Zustandekommen des Kommentars im PPMagazin mit Blick auf den Leserbrief berichtet zu haben.

 

Bilder: Nicole Böse, Fotolia-Kzenon

 


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