... wo anfangen und wo aufhören

ManfredPortrMärz14Einem entscheidungsfreudigen Gemeinderat, einem Bürgermeister mit Visionen und Tatkraft sowie einem rührigen Gewerbeverein und einigen investitionsfreudigen Firmen ist es zu verdanken, dass sich die städtebauliche und gewerbliche Entwicklung in Holzgerlingen seit Jahrzehnten äußerst erfreulich darstellt. Das hatte durchaus neidvolle Blicke aus der Nachbarschaft zur Folge. Neid ist eine besondere Form der Anerkennung – allerdings ist Schadenfreude nicht weit davon angesiedelt, wenn mal etwas schief geht. Soweit ist es in Holzgerlingen glücklicherweise nicht – noch nicht. Traditionelle innerstädtische Events wie Stadtfeste, 1001-Nacht und Holzgerlinger Herbst hielten Handel und Gastronomie viele Jahre bei Laune. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die fetten Jahre zur Neige gehen. Die Gründe sind vielschichtig: Der enorme Durchgangsverkehr auf der Geschäftsmeile Böblinger-/Tübinger Straße, Versorgungslücken in den Bereichen Schuhe, Haushaltswaren und Kneipe, die mangelnde Bereitschaft einiger Ladenbetreiber in Auslagengestaltung, Eingangsbereich und Dekoration zu investieren, ein eher müde wirkender Wochenmarkt und die geringe Anzahl freier Kundenparkplätze hindern sicherlich viele Käufer daran, ihre „Besorgungen“ in der Kernstadt zu machen. Kaum attraktive Gastronomiebetriebe im Zentrum – das Stadtcafe ausgenommen. Anreize fürs „Sehen und Gesehen werden“ und auch Nachfolgerprobleme, die bei verschiedenen Geschäften drohend über der momentan noch lebendigen Innenstadt und den 1 B-Lagen schweben fallen ebenso ins Gewicht.

 

Kommentar zur Entwicklung im Umland

 

Dunkle Wolken am Horizont prognostizieren einen zunehmenden Kaufkraftabfluss hin zu den neuen Einkaufserlebnistempeln: Mercaden Böblingen, Milaneo, das Gerber und Dorotheenquartier sowie die Breuninger-Erweiterung in Stuttgart und Sindelfingen. So wird nicht nur der Böblinger Innenstadt der Garaus gemacht, auch für die ländlichen Familienbetriebe beginnt der Überlebenskampf, sofern er nicht schon lange begonnen hat. Böblingen gab ein Beispiel dafür, wie eine Innenstadt durch die Einwirkung mehrerer Faktoren an Attraktivität verliert. Böblinger Einkaufziele sind künftig vermehrt die Mercaden und das Flugfeld, später vielleicht wieder das CityCenter und das EKZ. Ruhebänke in der Holzgerlinger Innenstadt, verkehrsberuhigte Straßen und gebührenfreies Parken in Holzgerlingen sind zwar positiv – aber nicht ausreichend für die Erhaltung einer zukunftssicheren Nahvorsorgung mit gutem attraktiven Branchenmix. Ein Wirrwarr von Ladenöffnungszeiten begleitet die Verbraucher beim City-Shopping. Wo anfangen und wo aufhören? Stadt, Gewerbevertreter und Immobilien­besitzer täten gut daran heute schon Gespräche aufzunehmen, bevor Notpläne helfen sollen die „Kundenflucht“ aufzuhalten.

 


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