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Wo stehen unsere Schulen? Ihre Meinung interessiert uns!

Kommentar von unserer Mitarbeiterin Rut Katzenmaier

Wenn ich manche Schuldebatten höre oder lese, dann frage ich mich: Sehe ich die Dinge nicht objektiv genug, bin ich zu nah am Geschehen dran – oder gibt es Entwicklungen, die an den realen Bedürfnissen von Schülern, Lehrern und Eltern völlig vorbeigehen?

Mein Sohn ist elf Jahre alt. Die Grundschule haben wir erfolgreich hinter uns gebracht und wursteln uns jetzt durch die weiterführende Schule. Und da werden die Unterschiede zu dem, was ich selbst als Schüler erlebt habe immer deutlicher. Dass heute vieles anders läuft ist klar. Anders heißt nicht unbedingt schlechter – aber eben auch nicht automatisch besser.

Jahrelang war Baden-Württemberg zusammen mit Bayern der Klassenprimus. Wer es hier nicht gepackt hat, der durfte vielleicht in Hessen, NRW oder Berlin nochmals zum „Laschi-Abi“ antreten. Und heute? Brauchen wir Nachhilfe? Vor allem in den Sprachen ist unser Bundesland gehörig abgesackt. Was sind die Gründe dafür? Schuldzuweisungen führen zu nichts. Was aber sind die Hintergründe, Beweggründe, Ursachen und was sollte, könnte, müsste besser werden?

 

In der Grundschule geht es schon los: Große Klassen, hoher Lautstärkepegel, abgelenkte Kinder. Zumindest das Verhalten gegenüber den Lehrern stimmt hier meistens noch. Je nach Herkunftsland und Familiensituation besteht die Notwendigkeit von zusätzlichen Betreuungseinheiten für einzelne Kinder, da sie traumatische Erfahrungen gemacht haben oder aber mit der deutschen Sprache nicht klarkommen. Das müssen Schule und Lehrer irgendwie meistern , wie, bleibt oftmals ihnen überlassen.

Unabhängig von solchen Sonderfällen gibt es jedoch auch Lernansätze, die zumindest ich persönlich nicht nachvollziehen kann: Die Kinder lernen, so zu schreiben, wie sie sprechen. Je nach Dialekt und Herkunft ein schwieriger Ansatz. Dann – zweite oder dritte Klasse - wendet sich das Blatt. Was vor zwei Wochen noch toll und gut war, ist auf einmal falsch. Arme Kinder! Sie müssen sich doch veräppelt vorkommen. Das ist so, wie wenn Sie einem Kleinkind dauernd den „Wauwau“ zeigen, um es dann sobald es vier ist, auszuschimpfen, dass es doch bitte „Hund“ statt „Wauwau“ sagen soll.

Mathematik für Individualisten

In Mathematik läuft es ähnlich. Die Kinder haben alle erdenklichen Möglichkeiten, die Aufgaben auf ihre Art zu lösen. Ist sicherlich kurzfristig ein guter Ansatz. Wenn sich der Schüler jedoch für einen sehr langsamen oder komplizierten Rechenweg entscheidet, dann hat er spätestens in der weiterführenden Schule ein Problem. Da fehlt es nämlich dann ganz extrem an Zeit für solche individuellen Geschichten.

Klar könnte man jetzt sagen, typisch Mutter, die schiebt alles auf die Lehrer und das System. Okay, das hier ist ein Kommentar, da darf ich das – aber ganz so blauäugig sehe ich die Situation ja gar nicht: Lehrer und System sind natürlich nicht alleinverantwortlich, „der komplette Fisch müffelt - und das nicht nur vom Kopf her“.

Zuviel und immer mehr?

Im Vergleich zu früher haben sich Gesellschaft, Miteinander und Anforderungen extrem geändert. Die Ablenkung der Kinder und Jugendlichen durch Handy, Fernsehen und Computer ist im Vergleich zu früheren Generationen extrem angestiegen. Besonders Jungen sind von der modernen Technik wie gebannt und setzten, altersgemäß völlig normal, falsche Prioritäten.

Hinzu kommen die allgemeinen Leistungserwartungen in Schule und Freizeit. Wer sich in seinem Umfeld umschaut, wird oft sehen, dass manche Kinder zusätzlich zu Schule und Nachmittagsunterricht noch zwei- bis dreimal die Woche Sport- oder Musikaktivitäten ausüben. Klar gefällt es ihnen und macht ihnen Spaß, aber der Druck steigt eben doch und die Zeit für Ruhe und Entspannung wird immer knapper.

Gesellschaft hin – Erziehung her

 Fotolia JackT 123847589 MHinzu kommt, dass die Wissensvermittlung im Unterricht sich gewandelt hat: Selbstverantwortlich arbeiten, sich Wissen zusammensuchen, verstehen und präsentieren wird heute schon ab der 5 Klasse vorausgesetzt. In dem Alter liegen die Interessen bei den meisten Kindern aber gaaaaaanz woanders…

Auch der Unterricht verlief früher gefühlt strukturierter ab. Das mag daran gelegen haben, dass es weniger Stoff gab, der innerhalb eines Jahres in die Köpfe musste, dass die Klassen kleiner, die Anzahl von Kindern mit einem anderen sprachlichen Background geringer war oder auch dass die Lehrer eine andere Stellung in der Gesellschaft hatten.

Pädagogen können ihre Arbeit am besten dann ausüben, wenn sie von den Kindern und Jugendlichen mit denen sie zusammenarbeiten, respektiert werden. Was in der Erwachsenenwelt völlig normal ist, daran hapert es an den Schulen seit Jahren.

Hier sind die Eltern in der Pflicht: Liebe Eltern, Ihr Kind muss wissen, dass es sich in der Schule und den Lehrern gegenüber anständig, respektvoll zu benehmen und sich an die vorgegebenen Regeln zu halten hat. Nur so kann von einer vernünftigen Arbeitsatmosphäre gesprochen werden. Ist dem nicht so, dann ist es Ihre Pflicht und Schuldigkeit, erzieherisch die besten Grundvoraussetzungen dafür zu schaffen. Das kann, muss und darf nicht Aufgabe der Lehrer sein.

Ausgebildeter Wissensvermittler                                                                                         

Der Job des Pädagogen ist es, Wissen zu vermitteln – und zwar bitteschön so, dass die Eltern Nachmittags oder Abends den Kindern nicht alles nochmals erklären müssen. Gelingt das nicht, dann sollte der Lehrer seine Methoden überdenken oder sich im Gespräch mit Kollegen funktionierende Tipps holen.

Eltern müssen bis zu einem gewissen Alter kontrollieren, dass die Hausaufgaben gemacht wurden. Wurden die Aufgaben gut erklärt, so kann man auch davon ausgehen, dass zumindest der größte Teil richtig gelöst wurde. Aber auch wenn sie falsch sind: Ist es wirklich Elternjob, dem Kind die Arbeitsschritte zu erklären? Zumal sich manche Aufgabenstellungen oder Lösungswege nicht unbedingt schnell von allein erschließen? Nicht, weil man zu dumm ist, sondern weil man manchmal in der Praxis Dinge anders rechnet, als in der Schule vorgesehen.

 

Rut PortraitBild:
Mitarbeiterin Rut Katzenmaier

 

 

Erschwerend kommt noch dazu, dass man mit dem Widerspruchsgeist von pubertierenden Jugendlichen oder achtjährigen Lehrerfans kämpfen muss. Je nach Alter lauten die Antworten dann: „Ich habe jetzt eh keinen Bock mehr auf den Mist, das versteht und braucht kein Schwein!“ oder aber „Mama, du weißt gar nicht, wie das geht, das hat Frau XY ganz anders gesagt und die ist meine Lehrerin und weiß das….“.

 

Die Umstrukturierung der Struktur

Klassengröße und fehlender Respekt sind aber nur Teile des angesagten Puzzles. Was sonst noch so dazu gehört? Die Umstrukturierung der Bildungswege zum Beispiel. Hauptschule wird Werkrealschule – ein Sammelbecken für diejenigen, die nicht können oder nicht wollen. Diese Kinder haben es auf dem Arbeitsmarkt meistens nicht leicht, Verständlicherweise will man sein Kind natürlich nicht in dieser Schulform sehen. Ergo schickt man seinen Spross - Notenschnitt hin oder her - auf die Realschule oder, wenn irgendwie möglich, aufs Gymnasium.

G8 – juchuuuuu! Wir haben das Abitur mit 16 oder 17 in der Tasche! Dank G8 können wir ja zumindest theoretisch früher ins Studium einsteigen. Die Realität zeigt ein anderes Bild. Viele der Kinder brauchen und nehmen sich nach dem Abitur erst einmal ein ganzes Jahr frei, um sich von dem Stress zu erholen.

Gestresst wie ein Manager?

Schulstress kann zu Burnout-Symptomen führen, wie man sie sonst von Managern kennt – das haben Studien in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt.

Das kann es aber ja wohl auch nicht sein, oder? Gut durchdacht war der G8-Schnellschuss wahrlich nicht – da waren wohl Menschen am Werk, die entweder keine Kinder haben oder aber inzwischen sehr weit von der heutigen Generation der schulpflichtigen Sprösslinge entfernt sind. Vielleicht hätte man in diesem Fall vor der Einführung doch mehr Pädagogen und Eltern mit ins Boot holen sollen.

Nachbesserungen sind sinnvoll

G8 kann funktionieren, aber damit Wirtschaft, Schüler und Schule davon profitieren, müsste man den Lehrplan rigoros ausmisten. Heute lernen die Kinder, was wir Erwachsenen früher auch schon gelernt haben plus x.

Das plus x steht für: Computerwissen, Wirtschaft und Co. Wissen, das mitnichten vom Himmel fällt, sondern erarbeitet werden muss.

So lange sich an der schieren Masse an Wissen, das in kürzerer Zeit vermittelt werden soll nichts ändert, so lange werden Lehrer, Schüler und der heimische Familienfrieden weiter zu kämpfen haben. Was denken Sie?

 

Vielleicht können wir so sogar etwas bewegen. Ihre Meinung interessiert uns:
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