Jannik Malz seit fünf Jahren in der Ringer-Oberliga und auf nationaler Ebene ebenso erfolgreich

 

4JannikMalzDer heute 21-jährige Holzgerlinger, derzeit Azubi im zweiten Lehrjahr, war bis 2010 einer der sportlich aussichtsreichsten Vertreter aus der Ringer-Nachwuchsschmiede des KSV. Heute frönt der vielseitig interessierte Athlet seinem Sport in 100 Kilometer Entfernung beim Oberligisten AV Sulgen, vorher ein Jahr in Asperg. Nach und nach verließen weitere junge Talente den KSV in Richtung Musberg, Ehningen und Sulgen.

Den sportlichen Niedergang der Holzgerlinger Ringertradition kann man durchaus mit dem personellen Aderlass des Vereins in Verbindung bringen. Dieser Tage begann wieder die Saison der Mannschaftskämpfe. Holzgerlingen leider aus dem Blickfeld vieler am Lokalsport interessierter Menschen verschwunden, denn der KSV liegt in der Bezirksklasse buchstäblich am Boden.

 

Seit 2011 ist Jannik Malz fester Bestandteil der Mannschaft vom AV Sulgen. Die Oberliga bildet das württembergische Oberhaus und ist nach erster und zweiter Bundesliga sowie Regionalliga die vierthöchste Leistungsklasse. Seine früheren Trainer in Holzgerlingen, Oliver Stich und inzwischen auch Vater Klaus Malz, sind in Sulgen als Trainerteam tätig. Mit den bisherigen Rängen sechs bis drei in den Saisonabschlusstabellen tastet sich Jannik Malz und sein AV-Team langsam an die Regionalliga heran, „das ist mein erklärtes Ziel und dazu möchte ich entscheidend beitragen“, betrachtet er seine Rolle und die Zukunftsaussichten als Mannschaftsringer.

 

Hartes und ständiges Training

 

Fünf bis sieben Tage Training in der Woche – davon meist nur ein Mal in Sulgen – eröffnen Jannik Malz auch Perspektiven als Turnierringer bei Württembergischen, Deutschen und Europameisterschaften. Rund 40 Siegertrophäen und zahllose Urkunden und Medaillen zeugen von seiner erfolgreichen Sportlerlaufbahn, die im Jahr 2000 beim KSV begann und die mit Titeln und Platzungen auf dem Treppchen bei „Württembergischen“ und „Deutschen“ Meisterschaften bislang ihre Höhepunkte hatte. Mit einem 5. Platz bei den „europäischen“ Kadetten kam Malz 2011 aus Warschau zurück.

 

 Auf ein Wort: Jannik Malz

 

2JannikMalz205Wenn sich Deine sportlichen Träume nicht realisieren lassen, könntest Du Dir eine Rückkehr nach Holzgerlingen vorstellen und was müsste da noch passieren?

„Auf meine ‚alten Tage’ könnte ich es mir schon vorstellen. Vorher werde ich aber alles tun um meine sportlichen Ziele zu erreichen. Ändern müsste sich beim KSV schon etwas, zum Beispiel zeitgemäße, leistungsorientierte Strukturen müssen geschaffen werden, damit gute Trainer in Holzgerlingen anheuern und auch der KSV für auswärtige Athleten interessant wird“.

 

Was ist der absolute Reiz beim Ringen? Doch nicht ständiges Gewichtmachen oder die Chance sogenannte „Blumenkohl-Ohren“ zu bekommen?

„Für mich liegt der Reiz darin an körperliche Leistungsgrenzen zu kommen und Erfolge im Kampf ‚Mann gegen Mann’ zu erzielen. Es ist einfach ein super Gefühl von den Fans im Kampf nach vorne gepeitscht zu werden, nach dem Kampf mit den Fans zu feiern und ab und zu auf dem ‚obersten Treppchen’ zu stehen".

 

RingerszeneJannik Malz war in Sachen Kampfsport vorbelastet. Sein Vater Klaus begann bereits im Vorschulalter beim KSV Holzgerlingen seine Ringkampfsportkarriere. Klaus Malz und sein Zwillingsbruder Michael gehörten lange Zeit der „Ersten Mannschaft“ an, die unter anderem mit den Malz-Brüdern bis in die 2. Bundesliga vordrang. Aber das ist lange her. Klaus blieb dem Ringkampfsport bis heute erhalten, aktuell als Co-Trainer beim AV Sulgen. Warum nicht beim KSV Holzgerlingen? Eine berechtigte Frage. Genau so wie diese, warum mehrere junge Hoffnungsträger, zweifelsohne Talente wie Jannik Malz, den mit viel Tradition beladenen KSV innerhalb weniger Jahre verließen. Bei dieser Sportart sicher nicht des Geldes wegen. Sicher haben die ehemaligen KSV-Trainer Einfluß auf die wechselwilligen ehemaligen KSV-Stammringer genommen.

ksv logoHört man sich beim KSV um, gehen bei dieser Fragenstellung die Verantwortlichen in der Ringerabteilung auf Tauchstation oder beklagen sich über die allgemeine Entwicklung bei den Freizeitangeboten für die Jugend, geburtenschwache Jahrgänge und über den hohen Trainingsaufwand der aktiven Ringkampfsportler.

Gleichzeitig wurden die Anforderungen an den Sportbetrieb und die Ziele in einem Zeitraum von zehn Jahren massiv zurück geschraubt. Ehemalige Ringer waren nicht zu bewegen sich aktiv als Funktionäre, Trainer, und Betreuer einzubringen - eine der Grundvoraussetzungen, wenn eine Randsportart erfolgreich weiterbestehen will. Statt dessen entstand ein „Klima der Minimalisten“, das nichts mehr mit dem Leistungsgedanken früherer Jahre zu tun hatte. Heute gibt es noch ein kleines Häufchen von Ringkampfsportfreunden, die die blau-weiße KSV-Fahne hochhalten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten die „Holzgerlinger Traditionssportart“ aufrecht verteidigen. Das muss zur Ehre dieser Leute gesagt werden.

Die Brüder Jan und Lars Platter hatten sich schon vor Jahren nach Ehningen auf den Weg gemacht. Sie sind heute Stützen des dortigen Oberligisten. Neben Jannik Malz kommen beim Oberligisten AV Sulgen die Holzgerlinger Mathias Drechsel und Sascha Stribick zum Einsatz.

KSV-Gewächs Marius Braun ist über Sulgen aktuell beim Zweitbundesligisten Riegelsberg im Saarland gelandet. Jonas Lange und Görkem Yücel versuchten ihr Glück beim Oberligisten TSV Musberg. Musberg hat aber inzwischen seine Mannschaft aus finanziellen Gründen zurück gezogen. Ein Beispiel dafür, dass andere Vereine auch Probleme mit ihrer Sportart haben. Musberg nimmt den Mannschaftswettbewerb 2015 in der Landesklasse auf, eine Liga über dem KSV Holzgerlingen, der versucht sich in der untersten Leistungsklasse zu behaupten und vielleicht neue Kräfte zu sammeln. Über Alexander Rudolf ist nichts bekannt. Er hat bei dieser Entwicklung vermutlich seine Ringerstiefel an den Nagel gehängt.

 

Fazit: So hat der KSV Holzgerlingen über wenige Jahre eine komplette Mannschaft verloren. Was ist hier beim KSV schief gelaufen? Jannik Malz glaubt einige Antworten zu kennen:

 3JannikMalz

"Bei den Platters wurde von Seiten des KSV zu spät reagiert, keine positiven Signale an die Brüder ausgesandt, die sportlich mehr erreichen wollten. Ähnlich bei Marius Braun, Sascha Stribick und zuletzt bei Mathias Drechsel. Bei solchen Abgängen verloren weitere Athleten den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft ihres Sports im KSV“.

 

 

 

 


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