65 Jahre und noch kein bisschen müde. Vom Bäckermeister zum Gastwirt. Sein Biergarten jetzt schon über die Ortgrenzen hinaus bekannt. Die Backstube ein neues Highlight.

Von unserer Mitarbeitern Sandra Bildmann

RuckaberleFritzNoch 2018, als er sein elterliches Haus erwarb, habe er lange nicht daran gedacht, „so umtriebig“ zu sein, erinnert sich Fritz Ruckaberle. Inzwischen schaut er auf knapp zwei Jahre „Treff am Eck“ zurück: eine Erfolgsgeschichte, die so nicht geplant war. Und zuletzt während des zweiten Lockdowns standen handwerkliche Arbeiten in der alten Backstube an, die ein Teil „des Treffs‟ werden soll, sobald man wieder dem Beruf des Gastwirts nachkommen darf.

Als Ruckaberle im Sommer 2019 aus seiner Tätigkeit als Lebensmittelkontrolleur in den beruflichen Ruhestand wechselte, gab es in Weil im Schönbuch tagsüber   kaum Stammtischtreiben mehr. Geselliges Zusammensitzen, sich unterhalten, Karten spielen und dabei „a Schorle, a Bier oder einen Cappuccino drenga“, das fehlte dem Ur-Weilemer. Also funktionierte er die leerstehenden Geschäftsräume um: Statt einer Bäckerei – wie es Jahrzehnte lang der Fall gewesen war – beherbergt das Haus in der Hauptstraße 45 nun den „Treff am Eck“. Ihm sei von vorne herein klar gewesen, dass das gastronomische Angebot bestenfalls eine Nebenrolle spielen sollte. Üppiger als Flammkuchen, Snacks oder Zwiebelkuchen als Begleitung zu den Getränken soll das Angebot auch in Zukunft nicht sein. Im Kern will er der Geselligkeit eine Plattform geben. „Es gibt oft ein Jugendhaus für junge Menschen, aber keinen Treff für das Klientel 60+“, präzisiert er gegenüber dem PPMagazin.

Was aber hat für den gelernten Bäcker den Ausschlag gegeben Geld und Freizeit einem solchen Projekt zu widmen, zumal er bis dato kaum auf Erfahrung im gastronomischen Sektor blicken konnte?

„Neugier“, antwortet Fritz Ruckaberle, „ich wollte sehen, ob das funktioniert.“ Zuerst musste der 65-Jährige seine Frau Rita überzeugen mitzumachen. Sie stand dem Vorhaben erst kritisch gegenüber. Doch inzwischen hat ein großer Bekanntenkreis sich zur Stammkundschaft entwickelt. Und entgegen der ursprünglichen Überlegung öffnet das Paar den Treff auf Wunsch der Gäste auch am Abend. Deshalb macht Ruckaberle bei den Öffnungszeiten auch gerne mal eine Ausnahme.

TREFF Biergarten RitaUm den Betrieb rentabel zu halten, hat er vom Bistro-Bereich einen Durchgang zu den Räumen der ehemaligen Bäckerei geschaffen und sich damit mehr Platz verschafft. Passten in Vor-Corona-Zeiten rund 30 Personen ins Bistro, kann er diese Anzahl an Gästen nur durch das zusätzliche Raumangebot erreichen – sofern er wieder öffnen darf. Das will Ruckaberle unbedingt, denn sein Bistro + Cafe will er noch ein paar Jahre selbst bewirtschaften. Allerdings ist er nicht abgeneigt die Verantwortung zu gegebener Zeit in jüngere Hände zu übergeben. 

Foto mwa: Rückblick auf den kurzen Sommer 2020 in Ruckaberles Biergarten. Chefin Rita versorgt die Gäste.

ZUR PERSON

Fritz Ruckaberle, Jahrgang 1955, arbeitete zwölf Jahre im elterlichen Bäckerei-Betrieb. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen war er anschließend mehrere Jahre fachfremd tätig. 2005 entschloss er sich, eine zweijährige Zusatz-Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur draufzusatteln und arbeitete in dieser Funktion bis 2019 beim Landratsamt Böblingen.


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