Hündin Greta bringt Licht in die dunkle Welt von Susanne Hänel

SusanneHähnel mit HundEine der größten Überwindungen in ihrem Leben sei es gewesen, sich einzugestehen einen Stock zu brauchen, erzählt Susanne Hänel. Die 49-Jährige ist auf dem rechten Auge seit Geburt an blind. Im Laufe ihres Lebens begann sich die Netzhaut auf ihrem linken Auge abzulösen. Nach über 20 Operationen, viel Hoffnung und noch mehr Enttäuschung ist die Holzgerlingerin inzwischen vollständig erblindet (PPM berichtete).

Von unserer Mitarbeiterin Sandra Bildmann

"Ich habe früher Leute vorbeilaufen lassen, bin mit gesenktem Kopf dahinter gegangen", erinnert sich Susanne Hänel an die Zeit, als sie noch eine Restsehkraft besaß und versuchte, sich ohne Hilfsmittel zu bewegen. Oft habe sie aus Scham so getan, als ob sie in ein Schaufenster gucke. Als sie immer weniger sah und vorübergehend nicht arbeiten konnte, rang sie sich zu einem Blindenstock durch. Doch ohne spezifische Einweisung sei die Anwendung kaum möglich, erklärt Susanne Hänel und berichtet von einer regelrechten Odyssee: „Da ist man blind und muss um ein Stocktraining betteln.”

Im Mai dieses Jahres begann ein neues Kapitel in Hänels Leben. Die Hauptrolle darin spielt Greta. Die Blindenführhündin hat das Herz der 49-Jährigen im Sturm erobert und hilft ihr dabei, den Alltag zu meistern.

Im Kindergarten war Susanne Hänel einst von einem Hund gebissen worden und war seither felsenfest überzeugt: "Ich will keinen Hund!" Wären da nicht die vielen Fahrrädständer und andere Hindernisse, die oftmals auch mit dem Stock schwer zu erfassen sind. Schließlich stellte sie einen Antrag für einen Blindenführhund. Es könne viele Monate dauern bis sie ein ausgebildetes Tier bekommen werde, habe man ihr gesagt.

Statt nach Jordanien hat die Hündin Greta in Holzgerlingen ihre Heimat gefunden

Doch im Mai bekam sie überraschend einen Anruf: "Ich habe eine Blondie", habe der Leiter der Ausbildungsschule für Blindenhunde in Neuburg an der Donau gesagt, erinnert sich Hänel. Die Labradordame hätte eigentlich nach Jordanien geflogen werden sollen - doch aufgrund der Pandemie war das nicht möglich. Stattdessen wurde Greta in ihrer neuen Heimat Holzgerlingen eingelebt und ist seit Ende Mai Hänels ständige Begleiterin. Sie hätten sich auf Anhieb verstanden, auch wenn die Hündin noch viel lernen müsse, wie Hänel erzählt: "Sie ist mit zwei Jahren noch sehr jung und verspielt." Für andere Menschen solle das aber keine Einladung sein, sich mit Greta zu beschäftigen. Hänel wünscht sich, dass die Leute Greta nicht ansprechen und streicheln. Denn die einzige Person, auf die Greta hören soll, ist ihre blinde Besitzerin. "Wenn sie das Führgeschirr anhat, ist sie im Dienst", betont Susanne Hänel. Streicheleinheiten gibt es für Greta nur nach "Feierabend" zuhause im Wohnzimmer.

Ob es etwas gibt, dass Susanne Hänel unbedingt erleben möchte? Sie überlegt. "Eigentlich nicht", meint sie kopfschüttelnd und fügt lächelnd hinzu: "Ich bin wunschlos glücklich."


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