Tim Frasch blickt mit Optimismus in seine berufliche Zukunft.        

„Viele denken: Ich schaff mir den Buckel krumm und hab mit 40 einen Bandscheibenvorfall‘ und wissen nicht, was im Handwerk alles möglich ist“, glaubt Tim Frasch und erzählt zum Beispiel von wachsender Verantwortung auf Baustellen und kreativer Planungsarbeit.

FraschTimPortIhm selbst war schon in der 11. Klasse klar, dass er nicht studieren, sondern eine Ausbildung machen und perspektivisch den Fensterbau-Betrieb in fünfter Generation übernehmen möchte. Seit 2019 hat er seinen Meister als Glaser, Fenster- und Glasfassadenbauer.

„Man sieht am Abend, was man den Tag über geschafft hat“, sagt der 25-Jährige und schwärmt von der Vielseitigkeit seines Berufs. Man mache jeden Tag etwas anderes – heute Fenster in der Werkstatt produzieren, morgen welche einbauen, übermorgen etwas reparieren oder montieren. Besonders reizen Frasch Aufträge, bei denen etwas Ausgefallenes gewünscht wird: „Da fängt es an, richtig Spaß zu machen; wenn du alles, was du irgendwann in der Ausbildung mal gelernt hast, plötzlich auch umsetzen kannst. Und am Ende sieht man: Oha, das funktioniert, sieht gut aus und der Kunde ist zufrieden.“

Auszubildende mit Realschulabschluss wären von Vorteil

„Es ist nicht so, dass wir nur dumme Handwerker auf der Baustelle sind – du musst auch vieles berechnen können“, betont er im Gespräch mit dem PPM. Mindestens ein Realschulabschluss wäre wünschenswert, sagt Frasch und hat einen Knackpunkt ausgemacht: Seiner Beobachtung nach hängten viele Schüler nach der Mittleren Reife das Gymnasium dran, um zu studieren, statt eine Ausbildung anzufangen. Das mache die Suche nach Lehrlingen und Gesellen nicht gerade leichter. So laufen Stellenanzeigen inzwischen über viele Kanäle, sogar über Kurznachrichtendienste, erzählt Frasch. Zuletzt habe es ein halbes Jahr gedauert, bis die Suche nach einem Gesellen erfolgreich gewesen sei. Derzeit sind in der Firma von Thomas Frasch neben Sohn Tim sechs Gesellen beschäftigt.

Im Vergleich zu früher haben sich die Anforderungen naturgemäß verändert. Nötig sei inzwischen mehr Kompetenz im technischen Verständnis zum Bedienen von elektronischen Programmen, erläutert Tim Frasch. Zudem werden Türen und Fenster selbst immer technischer: „Früher ist man mit einem Schlüssel ins Haus rein gegangen. Mittlerweile reden wir über Fingerabdruck-Scanner, die elektrisch verdrahtet werden müssen, und Smarthome-Anbindungen“, präzisiert der Holzgerlinger. Um an entsprechendes Know-how zu kommen, hat er einen sogenannten „Elektro-Schein für festgelegte Tätigkeiten“ gemacht, denn: „Ich muss ein Verständnis von einem Schaltplan haben, damit ich selber bei der Produktion in der Werkstatt testen kann, ob das überhaupt funktioniert, was ich gebastelt habe.“ Das werde immer komplexer, sagt Frasch und resümiert: „Das geht weit über das eigentliche Handwerk hinaus. Wir sind in der Digitalisierung angekommen.“

Sein Credo auf Robert Bosch, der damals folgendes gesagt haben soll:Ich zahle meine Mitarbeiter nicht gut, weil ich reich bin, sondern ich bin reich, weil meine Mitarbeiter gut bezahlt werden.“

FraschTimNutzen aus dem Internet zieht Frasch dagegen eher wenig. Im Gegenteil: Er erlebt es häufiger, dass Kunden das Netz zur Recherche nutzen und zu wissen glaubten, woran „es“ läge und was „es“ kosten dürfe. „Dann muss man das Diskutieren anfangen, das ist eher mühsam“, sagt Frasch, der froh darüber ist, dass seine Kundschaft hauptsächlich aus Privatkunden besteht, die den Vor-Ort-Service und die Produkte der Niedrigpreis-Konkurrenz aus Osteuropa vorziehen.

„Ich verkaufe natürlich gerne Fenster. Aber ich zwinge niemanden dazu, ein Fenster zu kaufen. Wenn ich etwas reparieren kann und das Sinn macht, ist das auch gut“, betont Frasch und verweist auf die zeitliche Komponente: Eine Reparatur dauere im Regelfall nicht so lange, so dass mehr Aufträge unter einen Hut gebracht werden könnten und Kunden nicht so lange auf einen Termin warten müssten.

Das Handwerk selbst stehe in Holzgerlingen gut da, meint Frasch als stellvertretender Vorsitzer des Handels- und Gewerbevereins und wünscht sich vielmehr, dass alle Junghandwerker, die später mal Chef sein wollten, sich mehr einbrächten. „Wenn man sich untereinander kennt, ist es ein viel angenehmeres und besseres Arbeiten“, ist sich der 25-Jährige sicher.


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