Wir berichten aus dem Familienunternehmen Wanner in Holzgerlingen.

AlexLilian März21Seit über einem Jahr sorgt die Pandemie in unserer Wirtschaft für tiefe Einschnitte in Umsätze und Erträgen. Betriebe mussten geschlossen werden, Mitarbeiter*innen entlassen oder in Kurzarbeit geschickt werden. Die Zahl der Insolvenzen nimmt zu und hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Viele Einkommen stagnieren oder gehen spürbar zurück, was auch Folgen für das Bäckerhandwerk hat. Die Bäckereien – ohne deren Cafés – zählten von Beginn an zu den systemrelevanten Betrieben. Für die Grundversorgung mit Lebensmitteln durften sie produzieren und die Geschäfte für den Außer-Haus-Verkauf geöffnet halten.

Das PPMagazin erkundigte sich bei einem Bäckereibetrieb in unserem Verbreitungsgebiet, einem typischen Familienunternehmen mit mehreren Verkaufsstellen, und sprach mit dem Inhaber Alexander Wanner und Lilian Kienzle, der Prokuristin.

 

 

 

Wann und welche grundsätzlichen Veränderungen haben sich in Ihrem Unternehmen ergeben?

BrotlaibWannerAlexander Wanner: Wir haben im März 2020 sofort im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter verantwortungsvoll reagiert und die Hygienevorgaben konsequent umgesetzt. Dazu wurden z.B. Plexiglasscheiben auf allen Theken installiert, Desinfektionsmittel-Ständer selbst gebaut – damals gab es die noch nicht an jeder Ecke zu kaufen, Anlieferungszonen für unsere Lieferanten errichtet, sodass niemand Unbefugtes mehr das Gebäude betreten kann. Mit diesen Maßnahmen konnten wir das Ansteckungsrisiko für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter sehr gering halten. Wir sind auf Sicht gefahren, da sich die behördlichen Bestimmungen sehr kurzfristig änderten und dem Infektionsgeschehen vor Ort angepasst wurden.

 

Wie dürfen wir das verstehen? Nennen Sie uns einige Beispiele.

Lilian Kienzle: Uns sind von heute auf morgen ein Großteil unserer Lieferkunden aus Gastronomie, Hotellerie, Kantinen etc. weggebrochen, hinzu kommt die monatelange Schließung unserer Cafés. Zur Sicherung des Betriebs und der Arbeitsplätze mussten auch wir Kurzarbeit anmelden. Bislang kam es glücklicherweise zu keinen Entlassungen. In der Produktion arbeiten wir seither in 2bis 3 voneinander unabhängigen Schichten, deren Mitarbeiter*innen sich nun seit Monaten nicht mehr sehen. Das alles tun wir, um das Ansteckungsrisiko im Fertigungsbereich so gering wie möglich zu halten. So können wir sicherstellen, dass wir auch im Fall einer Infektion weiter produzieren können.

Was ist Ihnen in dieser Zeit besonders aufgefallen?

WANNER AEHRELilian Kienzle: Uns war schnell klar, dass uns diese Pandemie lange begleiten wird. Wir haben deshalb von Anfang an größten Wert darauf gelegt, unsere Mitarbeiter*innen mit auf diese „lange Reise“ zu nehmen. Das tun wir hauptsächlich digital. An unserer diesjährigen Auftaktveranstaltung haben zum Beispiel über 90 Prozent unseres Teams per Smartphone teilgenommen. Eine völlig neue, aber auch großartige Erfahrung. Genial, dass so etwas möglich ist.

Auch unsere Kunden mussten sich erst einmal auf die neue Situation einstellen. Natürlich gibt es immer wieder Kunden, die die Maßnahmen für „überzogen“ halten. Der Großteil allerdings schätzt unseren Umgang mit der Pandemie – wie zum Beispiel die konsequente Umsetzung der Kundenzahl pro m2.

Die allgemein spürbare Unsicherheit in der Bevölkerung führte bei uns teilweise zu Umsatzeinbrüchen von bis zu 30 Prozent. Bei Redaktionsschluss Ende Januar ist eine Abschlagszahlung der November- und Dezemberhilfe angekommen. Auf den Rest warten wir heute noch.


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