BM Lahl

 

 

Das Interview mit Wolfgang Lahl in ganzer Länge – Auszüge davon stehen in der Printversion bereits im PPMagazin vom 20. März 2020

Nach 16 Jahren als Bürgermeister von Weil im Schönbuch hat Wolfgang Lahl noch lange nicht genug. Der 50-Jährige gab vergangenes Jahr bekannt, dass die Weilemer am 28. Juni wieder für ihn ein Kreuz auf dem Stimmzettel machen können. Das PPMagazin hat ihm vor der kommenden Wahl einige Fragen gestellt.

PPMagazin: Warum stellen Sie sich erneut für das Amt als Bürgermeister zur Wahl?

Wolfgang Lahl: „Weil ich noch viel vor habe in der Gemeinde. Wir haben viele Projekte, die bereits am Start sind oder schon in der Startphase und die noch weitergeführt werden sollten. Hier möchte ich bereitstehen und den roten Faden fortführen. Ein zweiter Grund ist, dass ich noch viel Lust und Kraft verspüre und mich gerne mit den Weilemer, Neuweilern und Breitensteiner in die gemeinsame Zukunft begeben möchte.

PPMagazin: Welche Projekte sind das?

Wolfgang Lahl: Das Schöne an einer Gemeinde ist, dass sie nie fertig wird. Sie entwickelt sich immer weiter, auch durch die Bedürfnisse der Mitbürgerinnen und Mitbürger. Deswegen sind wichtige Projekte: Schaffung von Wohnraum für alle, die Verbesserung der Infrastruktur. Ganz konkret geht es hierbei um die Sanierung der Wilhelmstraße und die Ortsdurchfahrt Neuweiler/Schönbuchstraße. Und das dritte ganz große Projekt, das uns schon viele Jahre in der Vorbereitung begleitet und wir nun wirklich weiterkommen, ist der Bau eines Bürgerhauses für die kulturtreibenden Vereine, für Veranstaltungen und für die Gemeinschaft im Ort.

PPMagazin: Die Verkehrsprobleme in der Region kann Weil im Schönbuch nicht alleine lösen kann. Doch die Bürger fordern Verbesserungen. Was kann die Gemeinde tatsächlich selbst beitragen?

Weilemer SeeWolfgang Lahl: Der Gemeinderat hat beantragt, ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Das finde ich gut. Hier sind wir gerade in der Vorbereitung. Hier müssen wir uns noch abstimmen, wie detailreich die Vorbereitung sein soll. Mobilität bedeutet bei uns, dass wir den Individualverkehr weiter im Auge haben. Zusätzlich müssen auch der Radverkehr und die Anbindung an den Schnellradweg beachtet werden. Wir haben zudem die Schönbuchbahn, die jetzt elektrifiziert wurde und nun auf dem neuesten Stand ist. Das sind die wichtigsten Themen neben der Sicherung der normalen Infrastruktur. Wir bleiben am Ball, was die Weiterentwicklung anbelangt. Ich bin nicht davon überzeugt, dass nur die Elektromobilität die Zukunft ist. Denn die Energiebilanz ist noch nicht unumstritten.

PPMagazin: Wie sieht es mit Wohnungen in Weil im Schönbuch aus. Ist Wohnungsnot ein großes Thema und was tun Sie dagegen?

Wolfgang Lahl: Was in der Region gilt, gilt leider auch bei uns: zu wenig Wohnraum, zu hohe Mieten und annähernd kein Angebot mehr. Wir versuchen seit vielen Jahren, mit einer aktiven Innenentwicklung dagegen zu wirken. Diese ist auch erfolgreich, aber der Wohnraumbedarf allein im Ort selbst, lässt sich damit nicht mehr abdecken. Wir müssen auch im Außenbereich Wohnraum schaffen. Es sind einige Wohnbaugebiete in allen drei Ortschaften gestartet.

PPMagazin: Nun sind es jedoch nicht nur Privatpersonen, die Flächen für Wohnbau suchen, sondern auch Firmen, die sich erweitern oder gar ansiedeln wollen. Wie viel Flächen hat die Gemeinde denn noch?

Wolfgang Lahl: Hier sieht man, wie defensiv wir in der Gemeinde mit der Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen waren: Alle Flächen, die wir jetzt entwickeln möchten, stehen alle im Flächennutzungsplan von 1994. Das heißt, wir haben unsere Entwicklungsflächen noch nicht verbraucht, sondern die möchten wir jetzt erst anpacken, nachdem der Druck auf dem Wohnungsmarkt wahnsinnig groß ist, aber auch im gewerblichen Bereich. Das größte Gebiet, „Bäumlesweg“ ist 16 Hektar groß, das wir aber in zwei Bauabschnitten erschließen möchten. Des Weiteren gibt es Flächen jeweils um die zwei Hektar groß, Fleckert Ost, Pfadäcker und einen Innenentwicklungsbereich in Breitenstein.

PPMagazin: Wie wichtig ist Ihnen dabei die Mischung aus Wohnungen und Gewerbe? Immerhin bringen Betriebe mit der Gewerbesteuer Geld in die Kassen der Gemeinde ein.

Wolfgang Lahl: Wir schreiben aktuell Gewerbegebiete im Zweckverband mit Holzgerlingen aus und auch in Weil im Lachental. Wichtig ist jedoch, nicht nur die Gewerbesteuer zu sehen, sondern auch die Schaffung von verschiedenen Arbeitsplätzen. Dafür müssen Flächen ausweisen, aber mit Bedacht und so, dass wir in unseren Naturraum so wenig wie möglich eingreifen.

PPMagazin: All diese Projekte kosten aber nun mal Geld. Wie steht Weil im Schönbuch finanziell da?

WappenWiSWolfgang Lahl: Unser Haupthaushalt ist sehr solide finanziert. Wir haben seit vielen Jahren keine Kredite aufgenommen. Wir nehmen voraussichtlich in diesem Jahr Kredite auf, aber das liegt daran, dass wir eine Vorleistung für die Wohnbau- und die Gewerbegebiete erbringen müssen. Gegen die Kredite steht jedoch ein höherer Ertrag. Die großen Projekte, die ich genannt habe, sind alle mittelfristig im Finanzplan enthalten und durchfinanziert. Wir erwarten wirtschaftlich keine großen Probleme. Wichtig ist, dass die Wirtschaft auf gutem Wege bleibt. Als ich 2004 nach Weil kam, hatte die Gemeinde Gewerbesteuereinnahmen von 800.000 Euro und heute sind es 5 bis 6 Millionen Euro im Jahr.

PPMagazin: Bürgermeisterwahl wird erst im April ausgeschrieben, dementsprechend gibt es offiziell auch noch keinen Gegenkandidaten. Sind Sie dennoch auf Stimmenfang?

Wolfgang Lahl: Ich werde auf alle Fälle aktiv Wahlwerbung betreiben und die Möglichkeit nutzen, die Bürgerinnen und Bürger zu informieren. Ich bin ein Freund davon, sehr viel Bürgerbeteiligung zu machen, und das ist auch eine Form davon. Die Bürger mit auf einen Weg zu nehmen, den wir gemeinsam gehen. Es gibt hier nie einen Weg, den ich alleine gehe. Ich brauche ein gutes Team im Rathaus, ich brauche die Mitbürgerinnen und Mitbürger und natürlich auch den Gemeinderat.

PPMagazin: Waren Sie schon immer ein Freund der Bürgerbeteiligung? Wie wird das von der Bürgerschaft angenommen?

Wolfgang Lahl: Wir haben schon immer sehr viele Beteiligungsmöglichkeiten angeboten – weit über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinaus. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, Mitbürgerinnen und Mitbürger projektorientiert zu beteiligen. Ein Beispiel ist der Bau des Rettungszentrums. Das haben wir mit Vertretern der Feuerwehr, der DLRG und des DRK gebaut, von Planungsbeginn bis zur Schlüsselübergabe und noch weiter. Das ist ein Beispiel dafür, wie ich Bürgerbeteiligung sehe. Das zweite Beispiel ist das Spielplatzkonzept. Hier haben wir Kinder vom Kindergarten bis hin zu Jugendliche aktiv beteiligt und deren Ideen sind eingeflossen. Wichtig ist, dass Bürgerbeteiligung ganz, ganz weit vorne beginnt. Das zeigt sich auch am Bürgerhaus.

PPMagazin: Was umfasst für Sie Bürgerbeteiligung?

Wolfgang Lahl: Das sind ganz verschiedene Plattformen, die man wählen muss. Die klassische Infoveranstaltung gehört dazu, aber es gehört auch dazu Fragebögen zu machen, die wir übers Mitteilungsblatt verteilen und zudem online haben. Zusätzlich ist es mir ganz besonders wichtig, dass man die Betroffenen oder zukünftig Betroffenen einer Maßnahme mit ins Boot nimmt.

PPMagazin: Eine solche umfassende Beteiligung verlangsamt jedoch auch den Entscheidungsprozess.

Wolfgang Lahl: Ja, Bürgerbeteiligung verlangsamt die Prozesse, aber macht sie qualitativ eindeutig besser. Die Entscheidung obliegt allerdings immer dem Gemeinderat. Bürgerbeteiligung dient dazu die notwendigen Informationen zu sammeln, diese dem Gemeinderat aufbereitet für die Entscheidungsfindung zur Verfügung stellen, aber die Entscheidung, die muss der Gemeinderat treffen. Bürgerbeteiligung bedeutet nicht, dass der Bürger entscheidet, sondern dass der Bürger sich Gehör verschafft und der Gemeinderat diese unterschiedlichen Meinungen abwägt. Diese Entscheidungskompetenz darf man dem Gemeinderat nicht wegnehmen.

PPMagazin: Klingt so, als ob Sie noch einiges vorhaben. Doch werfen wir einen Blick zurück auf die 16 Jahre im Amt. Auf welche Projekte, die Sie in der Gemeinde angestoßen und erfolgreich abgeschlossen haben, sind Sie stolz?

Wolfgang Lahl: Die Betonung liegt bei mir ganz ausdrücklich auf „Wir“. Es ist nie einer allein, sondern viele, die mitgewirkt haben. Besonders gefreut hat mich unsere starke Innenentwicklung, vor allem im Bereich der Hauptstraße mit Schaffung von Einkaufsmöglichkeiten und viel Wohnraum. Ein zweiter Punkt, der mir sehr wichtig war und ist, ist die Gewährleistung und Verbesserung der Sicherheit der Bürger. Das ist mit dem Rettungszentrum hervorragend passiert und das wird auch von den Rettungskräften gut angenommen. Das Dritte, was mir in Weil immer gefällt und Weil auszeichnet, ist das enorm hohe Engagement im Ehrenamt.


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