Schamburek Weiss 

Bürgermeister Dr. Daniel Schamburek im Gespräch mit der PPM-Redakteurin Rena Weiss

Kinderbetreuung, Wohnen und Verkehr – mit diesen drei Themen müssen sich schon seit einiger Zeit alle Kommunen im Kreis und darüber hinaus beschäftigen, auch Schönaich. Bürgermeister Daniel Schamburek spricht über die Zukunft seiner Gemeinde.

gemeinde schoenaich„Bauen ist ein größeres Thema“, eröffnert Dr. Daniel Schamburek unser Gespräch. Er ist seit knapp eineinhalb Jahren Bürgermeister von Schönaich und zieht fürs PPMagazin eine Bilanz. Ebenfalls ein wichtiges Thema, die Kinderbetreuung. „Wir haben zum Beispiel einen Teil des ehemaligen Realschule-Gebäudes zu einer Kindertagesstätte umgebaut.“ Auch die Kindertagesstätte Krebenweg befindet sich im Bau. Zudem entschied sich der Schönaicher Gemeinderat 2018 einstimmig für den Ersatzneubau des Kindergartens Lindenlauch. Mit Geplant sei den dafür nötigen Neubau möglichst im September 2020 fertigzustellen. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. „Es ist sehr viel im Entstehen“, berichtet der 33-Jährige und geht dabei auf die Planungen und Gremienarbeit ein, „in den wenigsten Fällen sind wir schon fertig, aber das ist auch normal.“ Es werden Plätze benötigt, doch damit steht Schönaich nicht alleine da. Der Unterschied zu anderen Kommunen in der Gegend sei aber, dass diese oftmals nur wenige weitere Gruppen aufmachen müssen. „Bei uns sind es drei neue Kindergärten mit jeweils drei, drei und zwei Gruppen.“

Schanburek1Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist unter anderem deswegen gestiegen, weil die Geburtenrate unerwartet hoch ausfiel und auch durch Zuzug, nennt der Bürgermeister nur ein paar Gründe. Doch für Zuzug muss es auch Wohnungen und Bauplätze geben. Wie sieht die Situation in Schönaich aus? „Der Wohnungsmarkt ist angespannt – auch wie in der Region“, sagt er und ergänzt, „nun müssen wir uns in Schönaich damit beschäftigen, ob wir hier das Problem der ganzen Region lösen können.“ Natürlich müssen es genügend Wohnungen und Wohnbauplätze geben, vor allem für Schönaicher, die bauwillig sind, so der Schultes. „Das ist die Hauptaufgabe, die wir lösen müssen.“ Da trifft es sich gut, dass sich das Wohngebiet Westrand I am Ende der Entwicklung befindet. Doch dort gibt es nur wenige Bebauungsplätze, die die Gemeinde vergibt. „Deswegen sind wir gleich in Westrand II eingestiegen“, erklärt Schamburek, „dort wollen wir wenn möglich im September oder allerspätestens im Frühjahr mit den Erschließungsarbeiten beginnen.“ In diesem Wohngebiet werde es Platz geben für 350 bis 400 neue Einwohner mit großer Mischung aus Reihen- und Einfamilienhäusern sowie größerer Wohnbauprojekte. „Wir werden sehr dicht und relativ hoch bauen müssen.“ Dies stößt nicht bei allen auf Begeisterung. Mehr Einfamilienhäuser wurden gefordert. Allerdings ist dies im Hinblick auf den Flächenmangel und der Wohnungsnot in der ganzen Region nur schwierig umzusetzen.

Wohnungsbau und Infrastruktur

Mit dem Wohnungsbau müsse auch die Infrastruktur mitwachsen. Dazu zählt unter anderem die Kinderbetreuung, Gesundheits- und Nahversorgung sowie die Verkehrssituation. Die Landstraße 1185 zwischen Schönaich und Waldenbuch sei Beispielsweise ein Zustand, der verbessert werden sollte, so Daniel Schamburek. „Mein Kollege Michael Lutz und ich sind daran, dass wir die L1185 erneuern. Das ist eine Buckelpiste.“ Allerdings ist dies eine Landesstraße, hier ist das Land und für die Kreisstraße 1057 (Panzerstraße) der Kreis zuständig. Bei letzterer habe jedoch der Landkreis nun den Weg freigemacht, für eine doppelte Spur vom Thermalbad-Knoten bis zum Herdweg. Von der anderen Seite wird es eine Linksabbiegespur für die Kasernenbesucher geben. 2020 soll es damit losgehen. „Da ist ein gutes Baustellenmanagement gefragt, aber lieber Baustelle und danach wird es besser“, macht er diesbezüglich Hoffnung.

Wohnstraßen benötigen Verkehrsberuhigung

Auch innerorts ist nicht alles top gelaufen. Steinenbronner Straße 14: „Dort ist Wohnbebauung und hier sind Familien mit Kinder. Dennochdarf man dort 50 Stundenkilometer fahren.“ Doch sowie in der Waldenbucher Straße benötigt Schönaich noch die Zustimmung des Landes und des Kreises. „In beiden Straßen würde ich mir eine neue Verkehrsregelung wünschen.“ Im Rahmen eines Ortsentwicklungsplans werde sich die Gemeinde noch tiefergehend mit dem Verkehr und weiteren Themen befassen. Bislang musste dieser Plan hinten anstehen, weil laufende Projekte vorrangig waren. „Ich wünsche mir, dass wir aktive Politik machen können, aber bisher reagieren wir nur auf viele Dinge.“ Im Herbst hoffe er, könne die Gemeinde mit dem Ortsentwicklungsplan beginnen.

Dr. Schamburek: "Wir brauchen Menschen, die innerorts auch mal bereit sind ein paar Meter zu gehen".

Doch es gibt auch gelungene Pläne der Gemeinde: die Bahnhofsstraße. Bis auf eine Ampel ganz oben, sei sie gut gelungen.Schamburek Auch, weil hier nur Tempo 30 erlaubt ist. „Das ist eine unserer funktionierenden Einkaufsstraßen. Dort die Leute mit 50 km/h durchzuschicken, fände ich komisch.“ Doch wo eingekauft wird, sollte es genügend Parkplätze geben. „Ich würde die Lage als ausgelastet bezeichnen“, sagt Schamburek, „aber eben nicht als total schlimm.“ Mehr Parkplätze benötige es allerdings nicht, betont der Bürgermeister. „Wir brauchen Menschen, die bereit sind,ein paar Meter weit zu gehen.“ Denn nicht immer gebe es einen Parkplatz direkt vor dem Geschäft, aber meist nicht unweit davon entfernt, weiß der Schönaicher Schultes. Auch die Parkdauer im Ortszentrum werde diskutiert. Minuten oder zwei Stunden stehen zur Diskussion. „Diese Diskussionen sind noch nicht zu ende geführt. Mein Standpunkt ist zwei Stunden, aber ich verstehe auch die anderen.“ Kurzzeitparker bedeuten für das ein oder andere Geschäft auch mehr Kundschaft. Diesbezüglich und zwecks der generellen Stärkung des Gewerbes und Einzelhandels sind der Bürgermeister und die Verwaltung im engen Kontakt mit dem Gewerbe- und Handelsverein Schönaich.

 

Noch so gut geplante Straßen, Parkplätze und Verkehrsregelungen werden jedoch die Menge an Individualverkehr nicht verringern. Wie kann eine Kommune da Alternativen schaffen? „Wir stellen jedes Jahr ein Budget zur Verfügung für den Fahrradverkehr.“ Dabei werde jedes Jahr ein anderes Projekt angegangen. „Das erste Projekt läuft jetzt an, da haben wir bereits zwei Anträge: Fahrradbügel für Schönaich“, berichtet Schamburek. Ein Geschäft oder eine Kirchengemeinde beispielsweise könne einen Antrag auf Fahrradbügel stellen, die die Gemeinde dann finanziell fördert. „Der Musikverein und gegenüber dem Rathaus die Bäckerei Binder haben dieses Angebot angenommen.“ Diese Fahrradbügel werden jedoch nicht einfach irgendwo hingesetzt, sondern dort, wo sie auch gebraucht werden, betont der Bürgermeister. Auch bei den Gemeindefahrzeugen setzt Schönaich auf Fahrräder. Von den zwei – abgesehen vom Bauhof – Fahrzeugen, ist eines ein Benziner und ein anderes ein E-Bike. Ersteres wolle die Verwaltung ebenfalls umstellen, wenn das Fahrzeug in die Jahre gekommen ist. Künftig könnte es in der Gemeinde auch zwei oder drei – das ist noch nicht entschieden – E-Ladestationen geben, kündigt der Bürgermeister an.

 

RathausInnenAndere Kommunen setzen jedoch bei Neubaugebieten auf eine Reduzierung des Stellplatzschlüssels, um Individualverkehr zu reduzieren. Die Anlieger müssen quasi auf öffentliche Verkehrsmittel umstellen. „Wir sind der Überzeugung, dass eine Reduzierung des Stellplatzschlüssels der falsche Weg ist“, so Dr. Schamburek „dann haben wir nur mehr Autos auf den Straßen stehen.“ Im Juli werde es eine Verkaufsschau geben. In dieser werden dann alle Knotenpunkte und Problemstellen Schönaichs betrachtet. Mit dabei sind unter anderem die Straßenverkehrsbehörde, die Straßenbaubehörde und die Polizei.

Foto: Blick in die Schönaicher Regierungszentrale. mwa

 

 

 


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