Für Firmenchef Ralf Notter eine Entscheidung zwischen Lebensqualität und unternehmerischer Herausforderungen

Wenn der Vater in Rente geht, bleibt kleinen Unternehmen ohne Nachfolger nur die Schließung. Das will das Familienunternehmen Notter vermeiden.

Von unserer Mitarbeiterin Rena Weiss

Der Großvater Otto gründete 1963 das Unternehmen und übergibt es zur Rente vertrauensvoll an seinen Sohn. Doch der ist nun ebenfalls in einem Alter, an dem man ans Leben nach der Selbstständigkeit denkt. Was aber, wenn die dritte Generation den Betrieb nicht weiterführen will? Allgemein leidet das Handwerk unter Nachwuchsproblemen, auch fehlt es an Führungskräften. Nicht so bei Ralf Notter einem Kunst- und Bauschlosser sowie Metallgestalter aus Hildrizhausen. 

RalfNotter PortraitRalf Notter (Bild) übernahm die Werkstatt von seinem Vater, als er 39 Jahre alt war. „Ich bin als junger Kerle schon in der alten Werkstatt rumgetobt“, erinnert er sich. Als er gerade 14 Jahre alt war, war die alte Werkstatt zu klein für das Unternehmen und sein Vater fragte ihn direkt: „Willst du weitermachen?“ Denn ohne einen künftigen Nachfolger wollte er die große Investition nicht stemmen. Ralf Notter stimmte zu und die Familie baute in der Hanns-Klemm-Straße neu. Doch inzwischen ist auch diese Betriebsstätte zu klein und so wiederholt sich die Geschichte.

 

 

 

 

 

NotterMarcus MeisterstückRalf Notters Sohn Marcus (Bild) ist 26 Jahre alt und hat sich schon früh für den Beruf entschieden. Die Entscheidung, ob er Geschäftsführer werden möchte, steht jedoch noch aus. „Ich bin alt genug einen Schnitt zu machen“, sagt Ralf Notter und ergänzt: „ich kann aber auch noch zehn Jahre.“ Druck mache er seinem Sohn jedoch nicht und er wisse, dass es keine leichte Aufgabe ist. Ralf Notter arbeitet oft bis 22 Uhr, ein Privatleben als Selbstständiger sei nur begrenzt möglich. „Ich sehe es ja an mir, ich hab‘ relativ wenig Freizeit. Das will ich niemanden aufbürden“, sagt der 55-Jährige. Der Fachkräftemangel plus die gute Auftragslage verlängern die täglichen Arbeitszeiten. Dafür winken in größeren Betrieben mehr Urlaub, kürzere Arbeitszeiten und mehr Gehalt. „Mit meinen Fähigkeiten könnte ich überall Fuß fassen“, beschreibt Marcus Notter seinen Zwiespalt.

Beide wollen die Firma nicht leichtfertig aufgeben. Ein bis zwei Jahre will Marcus Notter im Familienunternehmen noch arbeiten und dann in einem anderen Betrieb weitere Erfahrungen sammeln. Das unterstützt sein Vater, der es ebenfalls so gemacht hat. Ideen für eine Umstrukturierung des bestehenden Betriebs hat Marcus Notter bereits: „Ich habe in der Schule andere Wege kennengelernt. Bis in fünf Jahren will ich eine Entscheidung getroffen haben“.

Breites Lieferportfolio

Auch Ralf Notter sieht Verbesserungspotenzial: Das Büro platzt aus allen Nähten und der Ausstellungsraum wird zum Büro umfunktioniert. Die Werkstatt ist zu klein, auch hier müsse eine Entscheidung getroffen werden. Das Unternehmen ist sehr breit aufgestellt. Zum Portfolio zählen unter anderem Türschlossreparaturen, Balkon- und Treppengeländer, Terrassenüberdachungen, Fenstergitter sowie Edelstahlbearbeitungen. Noch haben sie alle Werkzeuge, um auch mit Schmiedeeisen zu arbeiten, doch das sei nicht mehr gefragt. Marcus Notter: „Das habe ich nicht mehr gelernt, auch aus Zeitgründen nicht. „So geht leider auch altes Wissen verloren“, sagt der Seniorchef. Doch die Trends bestimmen Architekten und die Kunden.

 

NotterFensterIm Vergleich zur Massenproduktion sagt Ralf Notter deutlich: „Wir arbeiten qualitativ sehr hochwertig, das hat auch manchmal einen höheren Preis zur Folge.“ Seinem Sohn gefalle die Arbeit: „Hier sieht man abends, was man gemacht hat.“ Marcus Notter ist einer von fünf Kindern. Noch zwei Söhne und zwei Töchter haben Ralf Notter und seine Frau. Zwar seien alle handwerklich begabt, doch für den Metall-Beruf hat sich nur der jüngste Sohn entschieden. Inzwischen hat Marcus Notter auch seine Meisterschule abgeschlossen und dort Kontakte geknüpft. Wenn er den Betrieb eines Tages führt, fehle ihm noch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung. Bis dahin wolle man auch die Möglichkeit eines Geschäftsführers von außerhalb der Familie nicht gänzlich ausschließen.

 


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