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Mit „deutschem Fußball“ übt man praktische Völkerverständigung

Unter einer Kooperation versteht man vielfach eine Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet. Wenn diese Zusammenarbeit noch um die sportliche Variante erweitert wird, spätestens dann darf im Vereinsleben getrost von einer Win-Win-Situation für beide Seiten gesprochen werden.

Hans-Christian Schunke

Diese Gewinner-Partnerschaft gibt es zwischen den Fußballern des TSV Hildrizhausen und Nachwuchsspielern aus den Vereinigten Staaten im Sommer 2019 ein Jahr. Hoppla, es wird englisch gesprochen am Schönbuchrand, denn dort hat sich die USYS-Academy Stuttgart/Hildrizhausen gebildet. Eine Zweckgemeinschaft, die nach und nach ausgebaut werden soll.

Kurz zum Hintergrund: Die Hausener haben die Sportplätze. Die US-Girls & Boys wollen ihrer Soccer-Leidenschaft frönen. Doch es fehlt ihnen an den erforderlichen Sportplätzen. Womit die beiden Zutaten für eine möglichst erfolgreiche Zusammenarbeit auf dem Tisch liegen. „Wir haben zirka 55 Spielerinnen und Spieler aus den Kasernen in Böblingen, Vaihingen und Möhringen, die von der U 9 bis zur U 17 Fußball spielen möchten“, freut sich Dave Segalla, dass der Nachwuchs aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten inzwischen im Spielbetrieb des Bezirks Böblingen/Calw erfolgreich integriert wurde. Wobei das Ganze nicht der US-Army untersteht, sondern eine private Initiative darstellt, denn bei den Kids handelt es sich um den Nachwuchs der in Deutschland stationierten US Soldaten, aber auch von Mitarbeitern in den jeweiligen Kasernen.

 

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Warum gerade Hildrizhausen? „Wir stehen in einer Partnerschaft mit ProSoc, einer Sportagentur mit Sitz in Landstuhl“, weiß Dave Segalla „und so sind wir hier in der Region auf die Suche gegangen bis wir einen passenden Verein gefunden haben.“ Hier kommt Mathias Steinhübel, Fußball-Abteilungsleiter des TSV, mit ins Boot. „Wir sind angesprochen worden, ob wir Interesse und Kapazitäten für diese Idee haben. Für uns war das eine neue Situation und anfangs war es schon etwas eng auf unseren beiden Plätzen“, macht Steinhübel kein Hehl daraus, dass es Anpassungsschwierigkeiten gab. „Doch mittlerweile hat sich alles eingespielt.“ Im Klartext, der TSV bekommt ein paar Euro pro Spieler vergütet und stellt dafür den Platz sowie einen Raum für Bälle usw. zur Verfügung. Denn unter dem Strich sind die Amerikaner ein eigenständiger Verein der offiziell am Spielbetrieb im Bezirk Böblingen/Calw teilnimmt.

Doch die ganze Kooperation auf die beiden Themen „Sportplatz und Geld“ zu beschränken, würde der Sache nicht ganz gerecht. „Natürlich haben wir die USYS anfangs unterstützt“, freut sich Steinhübel darüber, dass die Sache langsam an Fahrt aufgenommen hat.

Doch grundsätzlich steckt das ganze Unternehmen noch in den Kinderschuhen, denn die Zusammenarbeit soll noch ausgeweitet werden. Wie heißt es so schön, auch die längste Reise fängt mit dem ersten Schritt an. Einen zweiten ist bereits Jamaal Kennedy gegangen - der Vater eines der US-Boys spielt bereits bei der 2. Mannschaft des TSV. Denn die US-Kids werden ja von den Eltern ins Training oder zu den Spielen gefahren. Während die Mädchen und Jungen draußen trainieren oder spielen, treffen sich im TSV- Vereinsheim die Eltern und hier schmunzelt Dave Segalla, denn „so lernen wir das deutsche Vereinsleben kennen, denn bei uns wird Soccer im College und in der High School gespielt. Vereine wie hier in Deutschland gibt es bei uns nicht.“ So sollen in Hildrizhausen auch Stützpunkt-Trainingseinheiten abgehalten werden. Bisher nur in der Sportschule in Ruit. Und wenn mal das TSV-Spielfeld eine Flutlichtanlage erhält, spätestens dann soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. „Unser Ziel ist es bis zu 120 Kinder in den Spielbetrieb einzubauen“, macht Dave Segalla nicht den TSV HildrizhausenEindruck als wäre er mit dem bislang Erreichten zufrieden. Doch wie sieht es aus, wenn da mal einer auf dem TSV- Gelände auftaucht der mit der Murmel (mit dem Ball) richtig gut umgehen kann? Genau gefragt, werden Vereinswechsel toleriert? „Grundsätzlich haben alle Spieler die Möglichkeit die Seiten zu wechseln“, so Steinhübel, auch wenn dieses Thema derzeit nicht aktuell keines ist. Auch deshalb, weil die Amerikaner ein ganz anderes Schulsystem als wir hier in Deutschland haben. „Die ganze Sache ist noch eine kleine Pflanze die wachsen und gedeihen muss“, will der Hausener Fußball Chef erst gar keinen Druck aufbauen. Und so ist es auch mit den Trainern, die von ProSoc gestellt werden und auch das ganze Equipment stellt die USYS selber.

Nachdem die Kooperation zunächst auf ein Jahr angelegt war haben sich mittlerweile beide Seiten darauf verständigt die Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre fortzuführen.

Wie auch immer, ein interessanter Weg auf den sich da der TSV Hildrizhausen gemacht hat und es wird sehr spannend sein diesen Weg genauer zu verfolgen. Ein innovativer Prozess ist es allemal.

Kommentar von Hans-Christian Schunke (Bild)

ChristianSchunkePortrait2019Viele Fußballmannschaften leiden unter Spielermangel. Der Nachwuchs pilgert nicht mehr wie selbstverständlich auf die Sportplätze. Dazu kommen finanzielle Engpässe in den Klubs, denn der Spielbetrieb kostet Geld. Was tun? Innovation ist gefragt. Neue Wege gilt es zu finden und so einen neuen Weg hat der TSV Hildrizhausen für sich entdeckt. Die Hausener haben die Plätze. Den Soccer- Liebhabern aus den umliegenden Kasernen fehlt es an diesen und sie sind bereit dafür ihren finanziellen Beitrag zu leisten. Eine klassische „Win-Win“-Situation, die auf beiden Seiten zufriedene Gesichter erzeugt. Zumal auch das TSV-Vereinsheim am Schönbuchrand eine Belebung erfährt. Da kann man den Verantwortlichen des TSV nur Respekt zollen vor so viel Mut neue Wege zu bestreiten und den Beteiligten viel Erfolg wünschen. Zumal hier in schwierigen politischen Zeiten eine Brücke über den Teich geschlagen wird.

 


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