Rena Weiss im Gespräch mit der Organisatorin des Waldweihnachtsmarktes

 

WaldweihnachtBläser

 

Musikalischer Begleiter des Waldweihnachtsmarktes: der Musikverein Weil im Schönbuch

 

ArgeLogoSeit 1953 ist Gerlinde Hiller Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege in Weil im Schönbuch, die den „Waldweihnachtsmarkt mit Herz“ organisiert. Zusätzlich ist sie Sprecherin des „Arbeitskreises Weiler Flüchtlinge“, dem sie seit 2015 angehört. Doch damit nicht genug: Gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Kurt Hiller gründete sie 1969 eine eigene Firma. Das Ehepaar bekam fünf Kinder. Doch kein Grund für die 81-Jährige kürzer zu treten. Für ihre Gemeinde, ihre Mitbürger und ihre Vereine, aber auch für ihre Familie setzt sie sich ein – und das hat mehrere Gründe: „Ich bin hier zu Hause“, sagt Hiller zum einen. Zum anderen könne man nicht alles auf die Gemeinde abladen. „Ich bringe mich ein und kann nicht wegschauen, wenn jemand Not hat.“

Geehrt mit dem Ehrenamtspreis der Gemeinde

HillerGerlinde1Für ihr Engagement erhielt sie deswegen 2013 den Ehrenamtspreis der Gemeinde. Preise oder Anerkennung, das treibt Gerlinde Hiller (Bild links) nicht um. Seit 1953 ist sie aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege. „Das sind viele Jahrzehnte, in denen man zusammenwächst“, sagt sie über diese Vereinszeit, „dadurch sind Freundschaften entstanden, die findet man selten.“ Waren es doch nie mehr als 50 Mitglieder.

Ähnlich verhält es sich bei dem 2003 entstandenen „Weihnachtsmarkt mit Herz“, ein langer Traum Gerlinde und Kurt Hillers. Zunächst als besondere Veranstaltung zum 50-Jährigen des Vereins entstanden, ist der Markt längst fest im Veranstaltungskalender der Gemeinde verankert. Bereits Anfang April beginnt für Gerlinde Hiller die Planung für den „Waldweihnachtsmarkt“. Da verschickt sie allen ehemaligen Markstandbetreibern eine Einladung. Viele davon nehmen diese an und sind seit Jahren Teil der Veranstaltung. „Letztes Jahr gab es 44 Stände“, erinnert sich Hiller, „damit waren wir fast voll belegt.“ Doch nicht nur die Marktbeschicker sind Wiederholungstäter. „Es gibt viele Leute, die auf diesen Markt warten.“ Der Weihnachtsmarkt sei eben auch ein Aushängeschild, nicht nur für den Verein, sondern für die gesamte Gemeinde. Letztes Jahr musste er ausfallen, weil der vierte Advent - der traditionelle Termin für den Markt - auf Heilig Abend viel. Nun findet er dieses Jahr wieder statt, am Samstag, 22. 12. und Sonntag, , 23.12. an der Weiler Hütte.

 

Früh beginnen die Vorbereitungen

WaldweihnachtKi KarussellBereits seit Anfang September weiß Gerlinde Hiller, was es dieses Jahr für die Besucher alles geben wird: Stickereien vor Ort, Socken, Schals, Gefilztes, Christbaumschmuck, Echter und Modeschmuck, Metallkunst, Edles aus Holz, Bücher mit anwesendem Autor, Karten, Hüte, Puppenkleider, Edelbrände, Marmeladen und vieles mehr. Die Liste ist lang, wichtig ist Hiller jedoch, dass es keine Stände sind, die auf Krämermärkten zu finden sind. „Es sind keine gewerblichen Stände“, sagt Gerlinde Hiller, „sondern Privatleute, die Dinge herstellen.“ Bewirtet wird der Markt allein vom Gastronomiebetrieb der Weiler Hütte.

Wer Weiler Hütte hört, der muss unweigerlich an Gerlinde Hiller denken. Im selben Jahr, in dem Hiller in den Heimatpflegeverein eintrat, entstand auch die Weiler Hütte. „Wir haben Jahrzehnte lang die Weiler Hütte bewirtschaftet“, sagt sie. Jede Woche war eine Kindergruppe dort über Nacht und in den Ferien war die Hütte ausgebucht, erinnert sich die 81-Jährige. „Das haben wir alles bewältigt“, staunt Hiller manchmal selbst über das Werk des „Verschönerungsvereins“. Heute hat der Gastronom Eberhard Hiller (nicht verwandt) die Hütte gepachtet. Es sei eine gute Zusammenarbeit, getreu Hillers Motto: Eine Hand wäscht die andere.

 

„Wir gehören zum Flecken“

HillerJochenGerlinde„Ich mache das, solange ich kann und solange ich gebraucht werde“, sagt Gerlinde Hiller dabei über ihr ehrenamtliches Engagement. Auch, weil ihre Kinder in Weil im Schönbuch zur Schule gegangen und in den Vereinen aktiv sind. „Wir gehören zum Flecken.“

Doch was, wenn die 81-Jährige nicht mehr kann. Fragen nach der Zukunft des Vereins Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege verraten, dass die Weilerin nicht ganz sorgenlos ist. Rund 30 aktive Mitglieder gibt es noch, viele in ihrem Alter und wie viele Vereine hat auch die Arbeitsgemeinschaft ein Nachwuchsproblem. „Ich hoffe, dass ich das nicht verleb“ und denkt dabei an ein mögliches Ende der Arge.

 

Zwei Generationen - ein Gespann: Jochen Hiller und seine Mutter Gerlinde.

 

Bilder: Villaroya und Wanner

 

Nur wenig Verständnis habe sie dabei für Menschen, die sich nicht mehr in Vereinen engagieren oder Ämter bekleiden. „Da könnte mehr gehen“, sagt sie gerade im Hinblick auf jüngere Generationen. In sieben Jahren hat sie fünf Kinder bekommen und 1969 wurde das eigene Geschäft eröffnet. „Da waren die Kinder noch nicht mal alle in der Schule“, betont sie. Gründe für weniger Engagement sieht sie in der Masse an Angeboten. Als Vorkriegskind habe sie dies nicht gehabt. Auch die Möglichkeit zu studieren, sei heute zum Glück für mehr Menschen da und das, so Gerlinde Hiller, sei gut so.

Als Motivationsschub nennt sie: „Da kommt doch auch etwas zurück“, sagt die Veteranin.


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