DelakosSchreibtisch

 

Im Gespräch mit dem im Dezember neu gewählten Holzgerlinger Bürgermeister

Ein gut durchdachtes Mobilitätskonzept, das ist das große Ziel des neuen Holzgerlinger Bürgermeisters Ioannis Delakos und eines, das ihm wohl seine gesamte Amtszeit beschäftigen wird. Denn Delakos sagt ganz klar: „Wegbringen können wir den Verkehr nicht, das wollen wir auch nicht.“ Zwar möchte er eine Entlastung für die Holzgerlinger, doch sei ihm bewusst, dass Verkehr die Stadt auch belebt.

Von Rena Weiss und Roland Fuhr

Eine große Chance sieht er in der Altdorfer Kreuzung, für deren Ausbau hat die Stadt lange gekämpft hatte. „Die Kreuzung läuft wunderbar“, sagt der 43-Jährige und ergänzt, „aber sie kann noch nicht ihre komplette Wirkung entfalten, aufgrund der ganzen Baustellen die wir nicht nur in Holzgerlingen, sondern auch in Böblingen und Sindelfingen haben.“ Hoffnung auf Verkehrsentlastung vor allem in der Stadt legt der Bürgermeister auch in die Elektrifizierung der Schönbuchbahn und deren 15-Minuten-Taktung, „damit haben wir eine große Chance der Entlastung“, so Delakos. Und das nicht nur für die Autofahrer, sondern auch die zahlreichen Fahrradfahrer und Fußgänger.

„Der Neue“ lässt Taten folgen

„Entlastung schaffen wir indem wir den Verkehr reduzieren und den Verkehr auch intelligenter machen“, verrät Delakos. Dabei spricht er die Digitalisierung an, um Verkehrsströme zu lesen und lenken zu können, und meint weiter: „Die Möglichkeiten sind unendlich. Da möchte ich einsteigen und wir sind in den Vorbereitungen zur Gründung einer Arbeitsgruppe“. Es sind nicht nur Worte, nein der Bürgermeister lässt Taten sprechen. So gibt es bereits eine Untersuchung zum örtlichen Busverkehr, die mit in das Gesamtkonzept fließen werde, so Delakos. „Wir haben uns bestätigen lassen, dass wir insgesamt sehr gut versorgt sind. Mit 95 Prozent gebe ich mich nicht zufrieden“, beteuert Delakos und spricht die Fahrtenfrequenz an. Auch hier sieht er Verbesserungspotenzial und kann sich irgendwann einen 15-Minuten-Takt vorstellen.

Dabei sollen auch externe Experten zu Rate gezogen werden. Doch Delakos betont: „Wichtig ist mir auch der Sachverstand der eigenen Leute. Denn es kennt keiner Holzgerlingen besser, als die, die hier wohnen und leben.“ Im Mobilitätskonzept, das Ende 2019 stehen soll, werden auch die Beschilderungen und Parkierungen der Stadt eine Rolle spielen. Im Sol gebe es bereits ein Projekt von Studenten zum Thema Parkierung. Das könne er sich auch für den Rest der Stadt vorstellen. „Ich möchte, dass wir uns intensiv ein Jahr oder zwei Jahre mit der Thematik auseinandersetzen, um dann Maßnahmen durchzuführen, die auch spürbar sind.“ Im Ergebnis, so seine Hoffnung, dass der Verkehr rund laufe.

Delakos: „Die Händler müssen kämpfen.“

DelakosimGesprächMit seinen Ideen zur Mobilität spricht Ioannis Delakos ein Thema an, dass auch die Händler der Stadt bewegt: die Bahnverbindung nach Böblingen. „Unsere Händler müssen kämpfen und zwar jeden Tag“, erklärt er die Gesamtlage des Holzgerlinger Handels und die Abwanderung von Kaufkraft in die Nachbarstadt oder auch nach Stuttgart. Auch deswegen stehe er seit Jahren in engem Kontakt mit dem Handels- und Gewerbeverein. So entwickeln die Stadt und der Verein gemeinsam Projekte und Aktionen, wie das Stadtfest und 1001 Nacht, die den örtlichen Handel stärken und dessen Vielfalt bekannter machen sollen. „Die größte Gefahr sehe ich jedoch im Onlinehandel. Ich glaube schon, dass die Holzgerlinger ihren örtlichen Händlern treu sind“, betont Delakos, „aber der Onlinehandel ist halt bequem.“

So ziehe dieser, nach Einschätzung des Bürgermeisters, mehr Kaufkraft weg, als die Böblinger Mercaden oder Milaneo in Stuttgart.

Ärztehaus und später ein Parkhaus

Die Belebung der Innenstadt helfe ebenfalls Kaufkraft an die Stadt zu binden. „Ich glaube, dass das Ärztehaus eine große Belebung bringen wird“, zeigt sich der Schultes sicher und ergänzt es mit Ideen zur Parkierung, Verkehrsberuhigung und Gastronomie. Die Stadt sei dabei Flächen zu suchen, auf denen beispielsweise ein Parkhaus gebaut werden könnte. „Mit der Belebung schaffen wir es, die Händler zu unterstützen“, ist er überzeugt und fügt hinzu, dass „alles, was wir tun können, werden wir auch tun.“ In diesem Zug lobt der Bürgermeister auch den HGH, der sehr engagiert sei.

Eine florierende Wirtschaft verstärkt wiederum die Verkehrsbelastung in der Stadt und auch in den Nachbarkommunen. „Das ist und wird immer ein Spannungsfeld sein“, erklärt Delakos, „die Menschen möchten in aller Regel dort leben, wo sie arbeiten.“ Im Umkehrschluss hieße dies, müssen die Arbeitsplätze dort sein, wo die Menschen leben. „Das geht nicht ohne Verkehr“, macht Delakos deutlich. Auch in diesem Zuge spricht er den Ausbau des ÖPNV-Angebots an und hofft auf Verständnis. „Denn das Gewerbe ist mit verantwortlich, dass es uns wirtschaftlich gut geht.“

Dennoch bleiben Konflikte innerhalb der Stadt und mit den Nachbarkommunen nicht aus. Ioannis Delakos spricht den Weiler Ortsteil Breitenstein an. Hier gründete sich eine Bürgerinitiative, die die Schließung der Verbindung zum Gewerbegebiet Sol forderte.

Gemeinschaft fördern

Neben der Arbeit soll es in der Stadt auch ein gutes Freizeitangebot geben. Dazu benötigt es der Vereine. Doch wie steht es um die? Ioannis Delakos: „Es geht unseren Vereinen recht gut“. Zwar gebe es den einen oder anderen Verein, indem sich die Vorstandschaft im Umbruch befindet, doch hofft der Bürgermeister auch hier auf eine gute Entwicklung. Problematisch werde es hingegen beim Nachwuchs. Auch deswegen möchte die Stadt die Vereine in die Ganztagsbetreuung an Schulen stärker einbinden. Das Konzept dazu soll im nächsten Schuljahr weiterentwickelt werden. „Die Schülerzahlen sind stabil“, bestätigt Delakos. Auch in den Krippen und Kindergärten habe die Stadt bislang genügend Plätze.

Die Jugend und junge Erwachsene möchte der Bürgermeister ebenfalls ansprechen. Dafür setzt er unter anderem auf soziale Medien, wie Facebook, Instagram oder die Stadt-App. „Facebook ist eine Medium, mit dem man kommunizieren kann“, erklärt der fortschrittlich agierende Bürgermeister. Zudem ermögliche es, auf dem neuesten Stand zu bleiben und Ideen und Anregungen zu erhalten, die die Stadtverwaltung sonst nicht erhalte. Allerdings sagt Delakos klar: „Ich möchte nicht zu viel posten und die Menschen nerven.“

Stadt-App erfolgreich

Dass dieser Weg angenommen wird, zeigen die Download-Zahlen der Stadt-App: 1500 Downloads, das sind zehn Prozent der Einwohner. Das sei für eine solche App ein erstaunlich guter Wert, haben ihm die Entwickler bescheinigt. „Damit wollen wir den Service für die Bürger erhöhen“, erklärt er den Nutzen. Der digitale Stadtrundgang und die Schadensmeldungen nennt er als positive Beispiele.

Ioannis Delakos ist zufrieden mit seiner Stadt und sagt: „Alle wichtigen Projekte haben wir bereits gestartet.“ Doch eine Sache möchte er künftig auch verwirklichen: Wohnraum für den Durchschnittsverdiener. „Sehr viele fallen hier durchs Raster“, sagt Delakos und spricht von einer gewünschten Zehn-Euro-Miete. „Das ist nicht wenig, aber für Holzgerlinger-Verhältnisse gut.“ So möchte er es als Bürgermeister schaffen, dass alle Bürger sagen können: „Holzgerlingen ist meine Heimat.“


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