Bürgermeister Matthias Schöck im Gespräch mit PPM-Redakteurin Rena Weiss

Schöck Weiß Headerbild
 

Als Bürgermeister ist Matthias Schöck das Rathaus-Oberhaupt, gehört verschiedenen Gremien an, repräsentiert die Gemeinde und trifft Entscheidungen für alle Hildrizhausener. Ähnlich verhält es sich auch in einer ehrenamtlichen Tätigkeit als Präsident des Württembergischen Fußballverbands (WFV). Das Pluspunkte-Magazin hat mit ihm über diese Arbeit gesprochen, den TSV Hildrizhausen und wie er zur Debatte um Rassismus im Fußball steht.

 

Matthias Schöck stand das letzte Mal vor 16 Jahren auf dem Fußballfeld. 2002 beendete er zur ersten Bürgermeister-Wahl in Hildrizhausen seine Amateurkarriere. „Fußball gespielt, ist vielleicht auch übertrieben“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht, „ich war immer ‚nur‘ im Tor.“ Dennoch sind ihm der Fußball und das damit verbundene Ehrenamt ein wichtiges Anliegen geblieben. Auch, weil er glaubt, in seinem Amt als Bürgermeister davon profitieren zu können - und umgekehrt. „Allgemein betrachtet, ist es glaube ich so, dass wenn sich jemand ehrenamtlich einbringt – egal ob bei einem Verein oder sonst einer Organisation – dass er dann auch beruflich davon profitiert“, sagt Matthias Schöck. Sei es bei der Sozialkompetenz oder auch durch Kontakten und Netzwerken, die entstehen. „Und das triff auch in meinem Fall zu“, so der Bürgermeister und WFV-Präsident. „Das ist aber nicht immer ganz einfach unter einen Hut zu bringen und es ist notwendig langfristig zu planen“, ergänzt er. So gebe es auch Terminüberschneidungen, doch am Ende wisse er, mit was er seine Brötchen verdiene. „Da muss man Schwerpunkte setzen und da geht der eruf immer vor.“ Dass ihm die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf gelingt, ließ er sich in beiden Ämtern dieses Jahr mit jeweils einer weiteren Amtszeit bestätigen.

Wer soll die Fußballvereine führen?

Der Führungsnachwuchs in den Vereinen wird knapp. Als WFV-Präsident werde er auch mit den Problemen der einzelnen Vereine konfrontiert. So gibt es neben den Nachwuchssorgen auch in einigen Vereinen Schwierigkeiten, Kandidaten für die Vorstandschaft zu finden. Das könne verschiedene Gründe haben und auch die Vereine gehen in unterschiedlichster Weise damit um. Zwölf Mal im Jahr gibt es zwischen den Vereinen und Verantwortlichen des Verbands Gespräche. „Wir wählen da ganz bewusst unterschiedlich strukturierte Vereine aus, große, kleine, ländliche, städtische, Mehrsparten- und Monovereine“, erklärt Schöck. Das Ehrenamt sei jedoch in jedem Gespräch ein Thema. „Da haben wir als Verband kein Patentrezept, um dem Problem zu begegnen“, muss er jedoch eingestehen. Allerdings könne der Verband auch positive Beispiele aus den Gesprächen mitnehmen und davon anderen Vereinen berichten und Hilfestellungen geben. „Es ist eben so, dass sich jüngere Leute heutzutage nicht mehr so lange binden lassen, sondern eher bei Projektarbeiten mitmachen, wie Festivitäten planen oder den Bau eines neuen Rasenplatzes betreuen.“ Das liege auch daran, dass ein junger Mensch nicht wisse, wohin ihn die Arbeit oder das Studium verschlägt. „Das Thema wird immer komplexer, immer bürokratischer und die Verantwortung nimmt zu. Auch wir als Verband spüren das“, sagt der WFV-Präsident, „die Auswahl ist nicht mehr so vorhanden, wie es früher mal war.“

Herausforderungen in Ausbildung und Beruf sind dem Ehrenamt nicht förderlich

BM Schöck rofuDoch wie könne man dem entgegnen? Sollten die Vereine ihre Strukturen ändern und beispielsweise die Amtsdauer verkürzen? Es gebe bereits Vereine, die ihre Satzung der Situation angepasst haben und diesen Weg gehen. „Das sind denkbare Wege“, so Matthias Schöck und ergänzt um eine weiter Möglichkeit: „Auch – obwohl es sich fast etwas kontraproduktiv anhört – die Arbeit auf noch mehr Schultern zu verteilen.“ Es sei nämlich häufig zu beobachten, dass ein Verein von zwei, drei Personen geführt werde, die immer noch mehr Arbeiten übernehmen, bis sie an den Punkt kommen, an dem sie nicht mehr können oder wollen und alles hinwerfen. Dann hätten diese Vereine oft ein Problem, so Schöck. „Wir hatten schon Vereinsgespräche, wo das als Positivbeispiel berichtet wurde: Die Aufgaben wurden noch mehr gesplittet und nicht immer mit gewählten Funktionsträgern in Vorstand und Ausschuss.“

 

 

 

Lösungsansätze für die Nachwuchsprobleme

Viele Vereine hätten zudem verschiedene Formen der Bezahlung und Aufwandsentschädigung in ihre Satzung übernommen, berichtet der Verbands-Präsident und nennt das Beispiel der Übungsleiterpauschale. „Wir geben oft als Tipp oder Hinweis, die Möglichkeit den ‚Bundesfreiwilligendienst‘ (Bufdis) oder das ‚Freiwillige soziale Jahr‘ (FSJ) zu nutzen.“ Da müsse sich der Verein als Einsatzstelle eignen, d.h. ‚gemeinwohlorientiert‘ sein. Dem Verband wurden viele positive Beispiele genannt, wenn junge Menschen ihr FSJ im Verein verbringen. „Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung - die allerdings überschaubar ist. Die Vereine können viele Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt Matthias Schöck. Dabei gehe es beispielsweise um die Verfügbarkeit der jungen Leute. Bei Kooperationen von Vereinen mit Schulen, seien die Bufdis oder FSJler auch um 11 oder 14 Uhr verfügbar. Zusätzlich erlangen sie im Laufe ihrer Tätigkeit eine Lizenz und können Trainingseinheiten übernehmen und bleiben im Verein, wenn es ihnen gefallen hat.

Geld im Ehrenamt – ein Widerspruch?

„Ehrenamt bezahlen jedoch, ist vielleicht ein Widerspruch an sich“, so ein nachdenklicher Funktionär, „im Rahmen dieser Aufwandsentschädigung oder dieser Übungsleiterpauschale, glaube ich, ist es absolut in Ordnung und wird auch schon viele Jahre praktiziert. Darüber hinaus ist es dann eher das Konstrukt eines Geschäftsstellenleiters. Das gibt es auch schon in kleineren Vereinen und halte ich auch für einen gangbaren Weg. Aber dann das Ehrenamt, die Funktionsträger über diese Möglichkeit hinaus zu bezahlen, da würde ich ein Fragezeichen setzen.“ Spieler zu bezahlen oder ihnen andere finanzielle Reize anzubieten um für den Verein zu spielen, steht Württembergs oberster Fußballer eher kritisch gegenüber. Betont jedoch, dass es eine Entscheidung sei, die jeder Verein für sich treffen müsse. „Ich kann insofern nicht Hü oder Hott sagen, sondern nur darauf verweisen, dass es auch Erfahrungen gibt, die auf lange Sicht nicht ganz so positiv sind. Aber vermeiden oder gar verbieten lässt sich so etwas nicht.“ Die Gründe, warum Vereine diesen Weg einschlagen seien vielfältig und abhängig von der jeweiligen finanziellen Situation. „Das muss jeder Verein für sich entscheiden und auch mit den Konsequenzen leben und umgehen. Da gibt es nicht den einen Grund“, sagt er.

TSV Hildrizhausen: Sympathie und Neutralität

Fassanstich beim BierfestHihsBeim TSV Hildrizhausen und dessen Fußballabteilung halte er sich bewusst zurück. „Ich beobachte natürlich die Entwicklung beim TSV, wie in allen anderen Vereinen bei uns vor Ort, aber ganz bewusst auch mit Abstand. Auch in Bezug auf das Amt im WFV aus Neutralitätsgründen.“ Der Kontakt zum TSV sei allerdings hervorragend, auch zur Fußballabteilung. „Es gibt Gespräche und ich werde informiert, wenn sich etwas Neues tut. Das ist eine gute Basis“, sagt Matthias Schöck. Dennoch verfolge er mit Interesse den sportlichen Werdegang der Fußballabteilung. Sowohl noch zu früheren Zeiten in der Verbandsliga, als auch jetzt in der Kreisliga B und zuletzt auch in der Relegationsphase. „Ich beobachte auch, was sich im Jugendbereich tut und dass wieder eine zweite Mannschaft gemeldet wurde“, sagt der Ex-Fußballer, „ich habe das grundsätzliche Gefühl, dass der TSV und die Fußballabteilung in guten Händen sind und von Verantwortlichen getragen werden, die wohlüberlegt handeln.“

Bild oben - eine liebgewonnene Amtshandlung des Bürgermeisters: Fassanstich beim Bierfest des TSV

Rassismus hat im Sport keinen Platz

Der deutsche Fußball wurde seit der WM stark von einem Thema geprägt:
Gegenseitige Rassismusvorwürfe zwischen dem ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil und Teilen der deutschen Öffentlichkeit.

Wie steht Matthias Schöck als Fußballfunktionär dazu? „Das ist kein ganz einfaches Thema.
Ausgelöst von den Fotos deutscher Nationalspieler mit dem türkischen Präsidenten, kann ich den Unmut vieler Fans verstehen. Ich finde es für den DFB schwierig mit so einer Thematik umzugehen."

Da werde viel kritisiert, meint Schöck. Bei all der Kritik frage er sich jedoch, was die Alternative gewesen wäre? „Was hätten die Kritiker denn anders gemacht oder was wäre ein Vorschlag, wie man hätte vorgehen sollen? Im Rückblick hätte man sich unter Umständen an der einen oder anderen Stelle auch einen anderen Umgang vorstellen können“. Ich bin aber überzeugt davon, dass jeder Schritt wohlüberlegt und abgestimmt war.“ Generell ist Schöck der Meinung, dass Politik und Sport differenziert betrachtet werden sollte.

„Sport und Fußball ist keine Lösung für alles“, sagt Matthias Schöck, „ festgehalten werden kann aber, dass der der DFB und seine Landesverbände, insbesondere aber viele Tausende ehrenamtlich Tätige an der Basis ganz hervorragende Integrationsarbeit leisten – und das wird auch in Zukunft der Fall sein.“ Ob die Debatte die Leistung der Nationalelf beeinflusst habe, könne er nicht beurteilen. Er hatte unabhängig davon dennoch den Eindruck, dass das Team mit angezogener Handbremse spielte.

Im Fußball und öffentlichen Amt ist es oft gleich - wenn es schief läuft ist der Kopf, der Trainer schuld. Jogi Löw jedoch bleibt - trotz langer Trainerzeit. Auch bei Bürgermeistern gibt es Kritiker, die sagen, nach einer so langen Amtszeit ist es Zeit für etwas Neues. Nach 16 Jahren als Bürgermeister hat sich Matthias Schöck erneut der Aufgabe gestellt und wurde wiedergewählt. „Ich würde es so sehen, das trifft dann auch auf das Amt des Bürgermeisters zu: solange eine Motivation spürbar und vorhanden ist und das Feuer noch so brennt, diesen Job, diese Arbeit mit großen Elan zu verrichten, ist die Entscheidung richtig, weiterzumachen.

INFO Der Werdegang beim Württembergischen Fußballverband sei ein klassischer, wie er selbst sagt: Jugendspieler bei seinem Heimatverein SV Mötzingen, dort Jugendleiter und später im Bezirk Böblingen/Calw tätig. Einige Jahre dort für die Talentsuche und -förderung zuständig. Über dieses Amt ist er zum WFV gestoßen: Als Beisitzer Mitglied im Verbandsjugendausschuss, mit 24 Jahren stellvertretender Verbandsjugendleiter. 2009 wurde mit der Übernahme des Schatzmeister-Amtes der Wechsel ins Präsidium vollzogen. 2015 folgte Matthias Schöck seinem Vorgänger, der nicht mehr kandidierte. Seit 2015 ist er Präsident des WFV und wurde 2018 im Amt bestätigt.


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